Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-957562
Die 
Liebfrauenkirche 
in 
Trier. 
477 
diese Kapellen gewöhnlich in länglicher Gestalt an der 
Ostseite der Kathedralen anzubringen. Hier nöthigte die 
Lage der älteren IGostergebäude zu einem anderen Plane; 
man hatte über einen Raum auf der Südseite des Domes 
von etwa quadratischer Gestalt zu verfügen, der zu einer 
kreisrunden oder polygonen Anlage einlud. Dies letzte lag 
dem Geiste des Uebergangsstyles nahe; man würde, wenn 
man den alten Traditionen gefolgt Wäre, die Mauern als 
Seiten eines Polygons mit Anschluss einer Chornische ge- 
bildet, Lmd eine mittlere Kuppel auf Pfeilern, Welche den 
Winkeln des Polygons entsprachen, errichtet haben. Ein 
solcher Plan genügte jedoch den Ansichten des Meisters 
nicht; er hatte ohne Zweifel seine Schule in Frankreich 
gelnacht, war von dem Geiste des gothischen Styles durch- 
drungen und kam dadurch auf den Gedanken, die Um- 
fangsmauern nicht als einfache Polygonseiten zu bilden, 
Sondern jede derselben Wieder in polygoner Gestalt l1er- 
vertreten zu lassen und diese einzelnen Nischen in der 
Weise des französischen Kapellenkranzes zu verbinden. 
Die gewöhnliche Form desselben War aber doch dem 
Zwecke nicht entsprechend; eine innere Pfeilerstellung nebst 
Umgang und dahinter angebrachten Kapellen gleicher Grösse 
würde den inneren Raum zu sehr beschränkt haben und 
liess sich mit der polygonen Gestalt, welche eine wenig- 
riose majoris in Treveris, que caput mater et magistra est 
omninm ecclesiarum provineie Trevirensis, welche in Folge des Alters 
eingestürzt und in schönem und grossartigem Style neu erbaut sei, 
aber der Vollendung bedürfe (vgl. die Urkunde selbst auf dem letzten 
Blatte des ersten Bandes der neuen Ausgabe der Geste. Trevirorum]. 
In dieser Weise konnte er aber nur von dem Dome selbst reden, den 
er, wenn auch nicht ganz genau, aber dem vorherrschenden Gebrauche 
entsprechend als Kirche der heiligen Jungfrau benennt.  scheint 
daher, dass bei der Redaction des Ablassbriefes der Gegenstand, wel- 
eher der Vollendung bedurfte, nicht genau bekannt war, was in ähn- 
lichen Urkunden nicht selten vorkommt.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.