Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-957493
470 
Erste 
Spuren 
50th 
Styles 
in 
Deutschland. 
im Jahre 1212 dem Dienst übergeben wurde, und der Bau 
zu Magdeburg höchst Wahrscheinlich nicht unmittelbar nach 
dem Brande von 1207, sondern erst nach mehrjährigen 
Vorbereitungen begann, so ist eine Einwirkung des fran- 
zösischen Gebäudes der Zeit nach vollkommen möglich. 
Freilich finden sich aber auch nicht bloss in den feineren 
Details, sondern schon in der Ausbildung des Grundplanes 
vielfache Abweichungen. Die Pfeiler, Welche die fünfsei- 
tige Wand des oberen Chores stützen, sind zwar in Mag- 
deburg völlig wie in Soissons gestellt, nämlich die vier 
östlichen näher aneinander gerückt, die beiden westlichen 
Weiter abstehend; aber es sind nicht wie dort Rundsäulen, 
sondern eckige Pfeiler, auf der Fronte mit Bündeln von 
Gewölbdiensten, auf den drei anderen Seiten mit einzelnen 
Halbsäulen besetzt und so kräftig gebildet, dass sie noch 
an den durch feste Mauern begränzten Polygonschluss er- 
innern. Auf den Kapitälen der Mittelsäulen sind verjüngte 
Säulenschäfte von polirtem Granit gestellt, die wohl aus 
dem älteren Bau herrühren und dieser Stelle noch einen 
mehr dem älteren Style entsprechenden Charakter geben. 
Die Kapellen sind im Inneren unter den Fenstern halbkreis- 
förmig gebildet und erst oben dreiseitig; sie werden nicht 
durch keilförmige Strebepfeiler, sondern durch breite, im 
Inneren mit rohen Bruchsteiilen ausgefüllte und nur äus- 
serlich mit Hausteinen bekleidete Mauermassen begränzt, 
welche allerdings wohl geeignet sind, die Last der Gal- 
lerie und des Oberschiifes zu tragen, aber diesen Dienst 
noch nicht mit Leichtigkeit leisten. Das Rippengewölbe 
der Kapellen entspricht im Ganzen den frühgothisehen fran- 
zösischen Kirchen; der Chorumgang ist noch mit glattem 
und rundbogigem Kreuzgewölbe bedeckt. Alles dies be- 
weist, dass der Meister noch an romanischer Formbildung 
hing oder mit der Kraft des Strebesystems und den Vor-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.