Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-957473
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Erste 
Spuren 
goth. 
Styles 
in 
Deutschland. 
dass unsere Meister auch die Fortschritte des Nachbar- 
landes, wenn sie mit ihnen bekannt wurden, benutzten, 
und dass der französische Styl, der jedenfalls den Vorzug 
grösserer Consequenz hatte, allmälig mehr und mehr Ein- 
fluss gewann. Dies geschah aber nicht, Wie man vermu- 
then könnte, in der Weise, dass er zuerst über die West- 
lichen Gränzerl Deutschlands eindrang und dann langsam 
weiter ilach Osten vorschritt. Vielmehr tauchen schon 
ziemlich früh Anklänge an französische Form an verschie- 
denen, von einander entfernten Stellen auf, und erst später 
entstehen Werke, welche eine vollständigere Kenntniss des 
ganzen gothischen Systems verrathen. Die Mittheilung 
geschah also nicht vermöge der Berührung benachbarter 
Gegenden, sondern durch einzelne wandernde Bauleute, 
welche, zufällig oder schon durch den Ruf der französi- 
schen Schule bestimmt, sie an der Quelle kennen gelernt 
hatten und bei ihrer Rückkehr das Erlernte mit grösserer 
oder geringerer Accomodation an deutsche Gewohnheiten 
in Anwendung zu bringen suchten. 
Schon die erste Spur eines solchen französischenEin- 
flusses treffen wir nicht am Rheine, sondern fern von den 
Gränzen, an der Elbe und zwar am Dome zu Magde- 
burg. Eine Feuersbrunst, welche im Jahre 1207 die äl- 
tere, vielleicht noch aus der Stiftungszeit unter Otto dem 
Grossen her-stammende Kirche einäscherte, veranlasste einen 
Neubau, der im Jahre 1234 zur Vollendung des Chores 
führte. Die Details dieses Chores, mit dem wir uns hier 
allein beschäftigen, da der Bau des Langhauses späterer 
Zeit angehört, entsprechen im Ganzen dem deutschen 
Uebergangsstyle; im Inneren Ringsäulen, Kelchkapitäle mit 
conventionellem oder knospenförmigem Blattwerk oder mit 
jener üppigen, Würfelartigen Ausladung, im Aeusseren 
facettenartig ausgearbeitete Rundbogenfriese. Alle diese
        

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