Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-957234
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Weitere 
Verbreitung 
des 
Uebergangsstyles. 
Aufgabe der Herstellung eines Gewölbebaues den Meister 
ganz in Anspruch nahm und ihn abhielt, auf feinere For- 
men zu denken. Die Pfeiler sind regelmässig aus vier- 
eckigem Kern gebildet, die schwächeren mit Halbsäulen 
auf allen vier Seiten, die stärkeren unter den Scheidbögen 
mit einer Pilastervorlage, unter den Gewölben der Schiffe 
mit einem Bündel von drei kräftigen hoch hinaufsteigenden 
Diensten. Die Basis hat steile attische Form und Eck- 
blätter, das Kapitäl, das gesimsartig um den Pfeiler her- 
umläuft, die Gestalt eines unverzierten Wulstes, dem do- 
rischen Echinus ähnlich, mit einer reich aber roh profilirten 
Deekplatte. Die Seheidbögen sind spitz, aber wie früher 
in einigen rnndbogigeil sächsischen Kirchen namentlich in 
Driibeek und Ilsenburg, paarweise durch einen grösseren, 
die stärkeren Pfeiler verbindenden Bogen überspannt, ohne 
Zweifel behufs Erleichterung der unteren und Verstärkung 
der oberen Mauer. Die rundbogigeil Oberliehter stehen 
paarweise, aber unverbunden unter jedem Gewölbe. Die 
Profile der Gewölbgurten sind schwer, eckig und mit 
Rundstäben eingefasst. Die sehr reiche westliche Vorhalle 
lässt zwei verschiedene Bauperioden erkennen, eine Anlage 
im Uebergangsstyle und eine spätere Aenderung, bei wel- 
cher das reiche, mit Ringsäulen besetzte Portal hinzuge- 
kommen ist und die rundbogigen Fenster in kleeblattför- 
mige oder spitze verwandelt sind. Wir Wissen, dass 
Landgraf Konrad, der nachherige Hoehmeister des deut- 
schen Ordens, im Jahre 1238 die Kirche behufs Herstel- 
lung der im Kriege entstandenen Beschädigungen, be- 
schenkte iii]; ohne Zweifel rührt aus dieser Herstellung die 
4') Chronicon Erfordiense bei Böhmer, Fontes rer. germ. II, 399. 
Von einer gänzlichen Zerstörung der Kirche ist offenbar nicht die Rede; 
es wird zwar im Allgemeinen von einem Brande der Kirchen von Fritzlar 
gesprochen, aber es wird als Hauptfrevel die Zerstreuung der Hostien 
auf dem Boden der Kirche angeführt.
        

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