Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-957229
Der 
Spitzbogen 
und 
die 
Wölbung. 
443 
nahme widerspricht jedoch die ganze Gestaltung dieser 
Kirchen; wenn man auch die an sich schon unwahrschein- 
liche Hypothese gelten lassen wollte, dass der Spitzbogen 
sehr früh angewendet, dann wieder aufgegeben und später 
durch den gothischen Styl zu hohen Ehren gekommen 
wäre, so sind alle übrigen Formen, Pfeiler, Profilirungen, 
Ornamente von der Art, wie sie nur an späteren Monu- 
menten vorkommen und nach dem naturgcmässen Entwi- 
ckelnngsgange der Baukunst nur später entstehen konnten. 
Wir müssen sie daher frühestens in die letzten Jahrzehente 
des zwölften, mit grösserer Wahrscheinlichkeit in die er- 
sten des dreizehnten Jahrhunderts verweisen, wo denn auch 
einige dieser Gebäude ein ganz bestimmtes Datum haben. 
Das älteste derselben ist vielleicht die Stiftskirche zu 
Fritzlar in Hessen. Der Chor derselben, polygonförmig 
mit Lisenenfeldern und Ziverggallerie, gleicht dem der 
Paulskirche zu bVorms k), und ist entschieden rheinischen 
Ursprungs; man wird ihn vielleicht der Herstellung, Welche 
der Erzbischof von Mainz im Jahre 1171 anordnete, zu- 
schreiben können. Das Schiff der Kirche wird dann nach 
Beendigung des Chorbaues um 1'200 begonnen sein. Es 
macht einen sehr ernsten, aber (iurcliaus primitiven Ein- 
druck; man sieht, dass die noch neue und schwierige 
macht hat, und zwar in einem Nachfrage zu der [lebersetzung der 
Reise des Gally Knight durch die Normandie (Leipzig 1841]. Die 
Kirchen, welche er als Beispiele früher Anwendung des Swpitzbogens 
einführt, sind die Dome zu Naumburg, Merseburg, Basel und Bamberg, 
die Klosterkirche zu Memleben, die Stadtkirche zu Freiburg an der 
Unstrut, und die Sebalduskirche zu Nürnberg. Kugler widersprach so- 
gleich (Kunstblatt 1842, Nro. 75; kl. Schr. Il, S. 375] dieser Ansieht, 
Welche jetzt von der Mehrzahl der deutschen Archäologen, man kann 
Vielleicht sagen einstimmig, verworfen wird. 
 Vgl. den Chor von Fritzlar, bei Gladbaeh a. a. O. Taf. 24, 
mit dem von Worms, bei Moller Bd. II, Taf. 15.  Näheres über die 
ganze Kirche nebst einigen Profilzeichnungen in Kuglefs kl. Sehr. II, 158..
        

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