Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-957219
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Weitere 
Verbreitung 
des 
Ueberganlgsstyles. 
gonalrippen zu verstärken und die abweichenden Höhen- 
verhältnisse der verschiedenen Gurten mit Hülfe des Spitz- 
bogcns besser auszugleichen. Diese Kenntniss verbreitete 
sich bald nach 1'200 mit grosser Schnelligkeit über ganz 
Deutschland, und man eilte nun überall, wo bedeutende 
Neubauten auszuführen waren, diese Mittel einer solideren 
Construction, zunächst noch mit Beibehaltung der roma- 
nischen Details soweit sie nicht durch jene Neuerung mo- 
dilicirt wurden, in Anwendung zu bringen. Daher finden 
wir nun auf den entferntesten Punkten einzelne Kirchen, 
welche nicht von einem Muster herstammen, sondern dem 
abweichenden Herkommen ihrer Provinzen gemäss ver- 
schieden sind, aber doch sämmtlich in Hinsicht auf Wöl- 
bungsart und Verbindung runder und spitzer Bögen über- 
einstimmen. Sie haben alle quadrate Gewölbe, gegliederte, 
aber noch aus dem Rechteck entwickelte Pfeiler, spitze 
Seheidbögen und Gewölbe, aber rundbogige Portale und 
Fenster. Der VVürfelknauf ist meistens verlassen, und bald 
durch ein einfaches Polstergesimse, bald durch ein Kelch- 
kapitäl mit flachen Rankenversehlingungen oder knospen- 
förmigem Blattwerk ersetzt. Der Bogenfries und die Fries- 
ornamente des alten Systems sind beibehalten, die Gesimse 
eckig oder als Rundstab prolilirt, ohne Spur der feineren 
Ilöhlungen des gothischen Styles; das Fenstermaasswerk 
ist unbekannt. Leider fehlt es bei vielen dieser Bauten an 
festen Daten; sie sind älterer Stiftung, und die Nachrichten 
über ihren Um- oder Neubau fehlen oder sind mangelhaft. 
Daher hat man sie wohl auf jene Stiftnngszeiten zurück- 
führen und die Kenntniss des Spitzbogens in Deutschland 
in eine sehr frühe Zeit verlegen wollen  Dieser An- 
 Diese Hypothese ist besonders ausgeführt in einer Jugend- 
arbeit des Dr. R. Lepsius, der sich später durch seine Forschungen 
auf dem Gebiete ägyptischer Kunst und Chronologie berühmt ge-
        

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