Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-957200
Altenstadt 
in 
Bayern. 
441 
baues grössere Gewölbe zu den sehr seltenen Ausnahmen. 
Im südlichen Deutschland kenne ich nur eine einzige grosse 
rundbogige, wahrscheinlich noch vor dem Jahre 1200 
überwölbte Kirche. Es ist dies die St. Michaeliskirche zu 
Altenstadt bei Schongau in Bayern a), ihrem Grundrisse 
nach ein Oblorlgum von drei Schiffen mit halbkreisförmigen 
Nischen, ohne Querarm, von ziemlich bedeutenden Dimen- 
sionen (140 F. L., 64 F.  Die Pfeiler sind aus vier 
gleichstarkeu Halbsäulcn zusammengesetzt, von denen die dem 
Mittelschiff entsprechende zum Gewölbe aufsteigt. Die Basis 
ist attisch mit Eckblättern, die Kapitäle haben mehr oder min- 
der schwere Würfelform und sind mit conventionellen Pal- 
metten verziert. Auch das reiche Portal hat noch Würfel- 
kapitäle mit hohem verziertem Aufsatze; die äussere Wand 
zeigt ausser den einfachen rundbogigen Fenstern nur den 
schlichten Bogenfries ohne Lisenen. Auffallend ist, dass 
die Gewölbe des Mittelschiffes nicht quadrat sind, sondern 
über jedem Pfeiler schliessen. Diese Gewölbform, dann 
die Gestalt der Pfeiler gestatten nicht, die Entstehung des 
Baues früher als gegen den Schluss des zwölften Jahr- 
hunderts zu setzen; die schwierfällige, eckige Behandlung 
der Details lässt aber auch keine spätere Zeit annehmen, 
S0 dass wir hier einen für diese Gegenden sehr frühen, 
aber auch ganz vereinzelten Gewölbebau haben. 
Wie es scheint, hielt man in den meisten Gegenden 
die Anlegung von einfachen, bloss durch das Durchschnei- 
den zweier Tonnengewölbe gebildeten Kreuzgewölben über 
dem Mittelschiffe, wie man sie im Dome zu Braunschweig 
noch hatte, für zu gewagt oder schwierig, und entschloss 
sich erst dann zur Ueberwölbung dieser weiten Räume, 
nachdem man gelernt hatte, das Kreuzgewölbe durch Dia- 
 Bernh. Grueber, vergleichende Sammlung christlicher Baukunst I, 
3 und 4, II, 16 und 28.   Förster) im deutsch. Kunstbl. 1850 S. 122.
        

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