Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-957175
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Cistercienserkirchen. 
Kapellen, welche jedoch auf der Ostseite des Kreuzes nicht 
ganz fehlen. Die neunzehn Jahre jüngere Cistercienser- 
Nonnenkirche Sion zu Köln schliesst dagegen mit einfacher 
runder Nische. Im östlichen Deutschland werden um diese 
Zeit die polygonförmigen Chöre auch an diesen Kloster- 
kirchen gebräuchlich, so an den schon erwähnten zu Col- 
batz und Oliva und an den noch zu erwähnenden zu Pforta 
und zu Choryn, während die zu Lehnin eine halbkreis- 
förmige Concha hat. Bald kam nun aber auch, wie dies. 
schon in Longpont in der Picardie geschehen war, die 
reiche Form des Kapellenkranzes auch an den Cistercien- 
serkirchen in Aufnahme; wie dies die später zu erwäh- 
nenden Kirchen von Marienstatt und Altenberge und die 
erst in die folgende Epoche fallende von Dobberan beweisen. 
Ueberhaupt verschwindet die Eigenthümlichkeit der Ci- 
stercienserbauten allmälig; die ursprüngliche Scheu vor rei- 
cheren Formen liess nach; die Kirchen selbst behielten zwar 
einen einfacheren Charakter, aber man gestattete sich Ne- 
benkapellen, V orhallen und Kreuzgänge decorativ zu schmü- 
cken. Auch erhielt der locale Styl jeder Gegend jetzt grös- 
seren Einfluss. Die neuen Stiftungen gingen nicht mehr 
unmittelbar von Frankreich, sondern von älteren deutschen 
Klöstern aus und wurden gleich anfangs durchweg mit 
einheimischen Mönchen besetzt; die französischen Mutter- 
klöster behielten zwar ihre hierarchische Obergewalt, aber 
sie fanden es nicht mehr nöthig und angemessen, die un- 
terrichteten und angesehenen deutschen Aebte auch bei Ge- 
genständen des praktischen Nutzens oder der Schicklichkeit 
einer speciellen Leitung zu unterwerfen. Diese waren daher 
selbstständiger und folgten mehr den Gebräuchen ihres 
Landes. Allerdings kam dann in architektonischer Bezie- 
hung auch dazu, dass die einheimischen Gewohnheiten sich 
dem Herkommen des Ordens mehr genähert hatten. Der
        

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