Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-957030
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Cistercienserkirchen. 
ben, welches aber in Deutschland wegen des Bedürfnisses 
von grösseren Fenstern und Oberlichtern und durch die 
Einwirkung des hier schon längst bekannten Kreuzgewölbes 
modificirt ist. Dieses Auftreten einer französischen Anord- 
nung ist um so auffallender, weil sie sich in Maulbronn 
nicht findet, wo das Mittelschiff vielmehr die in Cistercien- 
serkirchen seltene gerade Decke hat, die Seitenschiffe aber 
mit gewöhnlichen Kreuzgewölben bedeckt sind. Maulbronn 
stammte von Lutzell im Elsass, welches eine Kolonie von 
Bellevaux im Bisthum Besancon, der ältesten Tochter von 
Morimond, war. Die Verbindung von Bronnbach mit 
Frankreich war also eine ziemlich entfernte. Dennoch aber 
muss sich ein Einfluss aus der Centralgegend des Ordens 
hieher erstreckt haben, der sich nur dadurch erklären lässt, 
dass man von Maulbronu aus ältere in französischen Klö- 
stern gebildete Mönche mitgesendet hatte. Auch ist die 
Choranlage dieselbe wie in Morimond. Im Uebrigen wei- 
sen die Details nicht gerade nach Frankreich hin. In den 
beiden östlichen Gewölbfeldern des Langhauses wechseln 
Säulen, in den beiden westlichen nur schwächere Pfeiler 
mit den gewölbetragemlen, Welche kreuzförmig, unter dem 
anstrebenden Seitengewölbe mit einem unverzierten Pilaster 
ohne Kapitäl, unter den Scheidbögen mit Dreiviertelsäulen, 
auf der Frontseite wieder mit einer Halbsäule besetzt sind, 
welche letzte aber nicht vom Boden, sondern von einem 
ziemlich hohen schlichten Pilaster aufsteigt und dadurch 
dieselben Dimensionen wie die Zwisehensäulen erhalten hat. 
Auf dem Kapitäl dieser Säule liegt dann ein als Viertel- 
stab oder als Welle gebildeter Abacus, auf welchem zwei 
treppenförmig ausladende Balken den breiten Gewölbansatz 
stützen. Die Kapitäle sind theils Würfelförmig mit derb- 
gearbeiteten Rankenverschlingungen, theils kelchförmig mit 
schwacher Andeutung breiter Blätter. Sehr eigenthümlich ist
        

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