Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-956958
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Der 
Cistercienserorden. 
Extreme nicht stehen bleiben. Man brauchte bald geräu- 
mige, zur Aufnahme zahlreicher Pilger geeignete Kirchen, 
grosse, der Gastfreiheit des Ordens entsprechende Räum- 
lichkeiten, strebte vermöge des praktischen und verstän- 
digen Sinnes nach Solidität und Zweckmässigkeit, und 
wählte aus diesem Grunde die Kunstverständigen unter den 
Brüdern zu Baumeistern, bei denen dann bald die Neigung 
erwachte, mit der erforderten Einfachheit eine gewisse An- 
muth der Formen zu verbinden. Dazu kam, dass der neue 
Orden schon als solcher keine Veranlassung hatte, dem 
gleichzeitig ileuaufkommenden Style abhold zu sein. Der 
kirchliche Luxus, gegen den sich die Gründer von Citeaux 
aufgelehxit hatten, gegen den der heil. Bernhard und seine 
Jünger eiferten, war der des romanischen Styls, die An- 
häufung von müssigem oder schwerverständlichem Bildwerk, 
die Verschwendung von edeln Metallen und kostbaren 
Stoffen. Der gothische Styl war, besonders bei seinem 
erstenuAuftreten, keuscher, er strebte ebenfalls nach einer 
gewissen Einfachheit, wenn auch aus anderen Gründen, er 
athmete einen Geist der Ordnung, Consequenz und Zweck- 
mässigkeit, Welcher dem strengen, militärisch disciplinirten 
und Wirthschaftlichen Sinne der Cistercienser nicht fremd 
war. Ihre ersten Klöster lagen in Burgund, zum Theil an 
der Gränze der Champagne, ihre Kolonien verbreiteten sich 
bald auf dem heimathlichen Boden des neuen Styles. Sie 
nahmen daher den Spitzbogen, die Strebepfeiler und manche 
andere Mittel der Solidität oder besserer Beleuchtung aus 
dem gothischen Systeme an, Welche die Billigung der 
Stimmführer des Ordens erhielten und ein Gemeingut des- 
selben wurden. Dabei aber Waren sie keineswegesblinde 
Nachahmer. Manche Eigenthümlichkeiten des frühgothi- 
sehen Styles wiesen sie mit Entschiedenheit zurück. Die 
Gallerien über den Seitenschilfen erschienen überflüssig;
        

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