Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-956780
Volkscharakter. 
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scher Obergewalt vom Kaiser belieben, hatte keine Dy- 
nasten, keine freien Städte, nicht einmal freie Bauern zu 
berücksichtigen. Seine erste Aufgabe war, das Land zu 
besetzen, es gegen Einfälle und Aufstände der besiegten 
Wenden zu sichern. Ueberall stiegen daher Burgen auf, 
deren Befehlshaber und Besatzung statt des Soldes zu ihrem 
Unterhalte mit den umherliegenden Ländereien belehnt wur- 
den und diese durch die unterworfenen Wenden oder mit- 
gebrachte deutsche Hörige bearbeiten liessen. In den Burgen 
Waren die Kirchen der Umgegend, neben ihnen lagen die 
Wohnungen der belehnten Burgmannschaft, sammelten sich 
die Gewerbtreibenden, deren man bedurfte; sie wurden die 
festen Punkte deutscher Civilisation im slavischen Lande, 
die späteren Städte. Das ganze Land stand also unter 
militärischer Disciplin, alle Verhältnisse waren gleichförmig 
wie der flache Boden, auf dem sie entstanden; von jener 
Mannigfaltigkeit verschiedener Berechtigungen, welche die 
älteren deutschen Provinzen enthielten, war hier eben so 
wenig eine Spur, wie von den Bergen, Welche jene oberen 
Gegenden beleben. Diese eigenthümlichen Verhältnisse 
gaben natürlich auch dem Charakter der Bewohner ein 
bestimmtes Gepräge, eine knappe, militärische Haltung, 
welche auf die Architektur um so mehr übergehen musste, 
als sie ihre erste Schule an den Burgen und an befestigten 
Kirchen machte, als selbst die Klöster, welche in diesen 
Gegenden gegründet wurden, Befestigungen nicht entbehren 
konnten. Ueberdies gehörten die meisten dieser Klöster 
dem neugestifteten Cistercienserorden an, der auch hier in 
gewohnter einfacher Weise baute und auf den einheimi- 
schen Geschmack in dieser Richtung einwirkte b). Es 
t) Nur in der Altmark bestanden Benediktinermönchsklöster; in 
der Mark Brandenburg und iti der Lausitz waren dagegen 26 Cister- 
cxenserklöster, während die anderen Klöster hauptsächlich den Augu-
        

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