Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-956692
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Westphälischer 
UebergangS-Qtyl- 
Rippen vermehrt und zu einer eigenthümlichen Verzierung 
benutzt, indem die Diagonalen zwar bis zum Schlusssteine 
fortgesetzt, die von den Seiten der Quergurten und Schild- 
bögen ansteigenden Rippen aber, ehe sie jene erreichen, 
abgebrochen sind, indem sie innerhalb eines durch einen 
Rundstab in einiger Entfernung vom Schlussstein gebil- 
deten Kreises mit einer Blume endigen. Dies findet sich 
namentlich an der Kirche S. Johannes zu Billerbeck, im 
Chor der Kirche zu Legden und an der Vierung des 
Kreuzes in der Pfarrkirche S. Maria zu Lippstadt, ähn- 
liches z. B. die Umschliessung des Schlusssteines mit einer 
Raute und einem Kreise an anderen Orten. Häufig sind 
auch in ein und derselben Kirche einige Gewölbe mit Rip- 
pen, andere ohne solche, und eben so häufig die Rippen 
mit einzelnen, an gewissen Stellen angelegten Schilden 
verziert Auch herabhängende Schlusssteine finden sich 
einige Male, so dass der Gedanke decorativer Benutzung 
der Gewölbe, der in anderen Gegenden erst im vierzehnten 
Jahrhundert aufkommt, hier, freilich in anderer Weise, 
frühzeitig auftaucht. Dagegen sind die Pfeiler in den mei- 
sten dieser Bauten gleich und in einer dem Systeme der 
Hallenkirchen Wohl entsprechenden, sehr regelmässigen und 
constructiv richtigen Gestalt aus viereckigem Kern kreuz- 
förmig gebildet, in den Ecken schwächere, auf den vier 
der Säulen, sondern diese als Stützen der Rippen ansahen, geben viele 
Bauten des Uebergangsstyls, z. B. die Vorhalle im Kloster Maulbronn 
(s. Eisenlohfs Werk über dasselbe), in welchen auch die Diagonal- 
rippen halbkreisförmig, aber, weil sie einen grösseren Halbmesser haben 
als die Quergurten, bedeutend grösser und deshalb auch die Säulen, 
welche sie tragen, bedeutend niedriger gehalten sind, als die für die 
Quergurten und Schildbögen bestimmten; eine Ungleichheit, die man 
aus deeorativen Gründen vermieden haben würde und später wirklich 
vermied, die daher zeigt, dass man es mit dem Constructiven sehr 
ernsthaft meinte. 
Lübke 
Taf.
        

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