Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-956662
Ausbildung 
der 
Hallenkirche. 
387 
Weise wie an der früher beschriebenen Dorfkirche zu 
Melverode bei Braunschweig findet. Endlich kam man auf 
den Gedanken, den Seitenschiffen, abweichend von dem 
bisherigen Gebrauche, fast gleiche Breite mit dem Mittel- 
schiffe zu geben, wodurch man in ihnen Gewölbe erhielt, 
welche bei fast quadratischer Form mit Hülfe des Spitz- 
bogens ohne Schwierigkeit fast dieselbe Höhe erlangten 
wie die des Mittelschiffes. Wahrscheinlich kam man auch 
auf dieses Auskunftsmittel zuerst nicht bei Neubauten, son- 
dern bei Herstellungen älterer Kirchen, WO man durch 
Hinausrücken der Seitenwände bis an die Vorderseite des 
Kreuzschilfes zugleich eine Vergrösserung des Flächen- 
raumes und die Erleichterung der Gewölbanlage erlangte. 
Diese Art der Erweiterung hat namentlich an der Stifts- 
kirche zu Ober-Marsberg im Jahre 1233 i] und, wahr- 
scheinlich etwas früher, an der Münsterkirche zu Herford 
stattgefunden, an welcher letzten die mannigfaltigen Wöl- 
bungsarten und Fensterformen sehr augenscheinlich zeigen, 
dass der Meister seiner Sache nicht sicher war und Ver- 
suche 
anstellte. 
Indessen gab man sehr bald auch bei neuerbauten Kir- 
chen den Seitenschiffen eine grössere, der des Mittelsehilles 
sich annähernde Breite. So in der Klosterkirche zu Bar- 
singhausen am Deister, bei welcher das Stiftungsjahr 1203 
überliefert ist, in der Kirche zu Methler und einigen an- 
deren kleineren Kirchen in der Gegend von Dortmund, und 
endlich in der schönen, leider jetzt fast unrettbar verfal- 
lendeu Stiftskirche St. Marien zu Lippstadt, deren Fen- 
ster zwar auf eine etwas spätere Zeit hinweisen, deren 
Pfeiler und Grundmauern aber schon gleich nach der V oll- 
Ü G. Becker theilt im D. Kunstbl. 1855, S. 141 eine [sowohl 
Lübke als mir selbst entgangene) Inschrift mit, nach welcher die Kirche 
nach einem Brande von 1230 drei Jahre darauf hergestellt sei. 
25'?
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.