Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-956630
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Westphälischer 
Uebergangsstyl. 
heimische Entstehung schliessen, völlig entscheidend fir 
eine solche ist aber, dass wir ihre Genesis hier und nur 
hier vollständig verfolgen können, sie nach mannigfaltigen 
Versuchen allmälig zu der völligen Ausbildung gelangen 
sehen, mit der sie in anderen Gegenden unvorbereitet und 
immer erst in Verbindung mit dem gothischen Style auf- 
tritt. Wahrscheinlich entstand der Gedanke anfangs aus 
haushälterischer Neigung zur Benutzung des Vorhandcnen. 
Wie man früher die alten Pfeilerbasiliken nicht durch neue 
gewölbte Kirchen ersetzt, sondern überwölbt und dadurch 
gelernt hatte, die Wölbung vorhandenem Mauenverk an- 
zupassen, wollte man bei zunehmender Bevölkerung auch 
den Raum luftiger machen, ohne ein ganz neues Gebäude 
anzulegen, und erreichte dies durch Erhöhung und später 
zugleich durch Erweiterung der Seitenschiffe. In einer 
grossen Zahl von Fällen, und zum Theil in solchen, die 
sehr frühzeitig scheinen, können wir dies Verfahren Wirk- 
lich nachweisen, mehrere Male finden wir sogar, dass nur 
ein Seitenschiff erhöhet, das andere in der alten Gestalt 
gelassen ist. Es ist daher wenn auch nicht erwiesen, doch 
sehr wahrscheinlich, dass solche Aenderungen dem Neubau 
ähnlicher Kirchen vorhergegangen sind. 
Auch bei diesen schloss man sich anfangs noch völlig 
an den Basilikentypus an, und entfernte sich erst nach und 
nach von demselben, als man die Vortheile und Erforder- 
nisse der neuen Anordnung besser kennen lernte. Zuerst 
behielt man die Grundverhältnisse der Basilika vollständig 
bei, die schmale Anlage der Seitenschifle, die quadraten 
Gewölbe, sogar mit Rücksicht auf den bisherigen Gebrauch 
die zwischen die Gcwölbpfeiler gesetzte Arcadensäule. Die 
Seitenschife hatten daher ganz dieselben Gewölbstiitzen 
und Gewölbfelder wie bisher; man legte diese nur etwas 
höher, wodurch denn die Säule bei gleicher Stärke schlan-
        

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