Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952994
20 
Historische 
Einleitung. 
Schaaren der Heiligen, Ludwig IX. von Frankreich. Der 
sorgfältigste Beobachter aller kirchlichen Vorschriften, ein 
Vorbild tiefer, demüthiger Frömmigkeit und christlicher 
Tugend, strenge gegen sich selbst, nachsichtig gegen 
Andere, zärtlicher Sohn und Gatte, treuer Freund, ist er 
zugleich ein kräftiger Fürst und mannhafter Ritter, gerech- 
ter, aber auch wenn es sein muss, strenger Richter seiner 
Unterthanen, tapferer, wenn auch unglücklicher Streiter 
gegen die Ungläubigen, ein gehorsamer Sohn der Kirche 
und dennoch wieder unerschütterlich fest, wenn es gilt, die 
Rechte seiner Krone und seines Landes gegen die An- 
sprüche der Hierarchie zu vertreten. 
Wenn in diesen grossen und edeln Gestalten die jugend- 
liche Frische des Zeitalters allmälig mehr und mehr zu 
männlicher Kraft erstarkt, so zeigt die Geschichte freilich 
auch die Kehrseite dieses Bildes. An die Stelle der frü- 
heren Rohheit ist jetzt eine fast raffinirte Bosheit getreten, 
auch das Böse hat System und äussert sich mit einer fre- 
chen Genialität. Das stärkste Beispiel finden wir auf ita- 
lienischem Boden, in dem Tyrannen von Padua, dem be- 
rüchtigten Ezzelin von Romano, dessen Klugheit und 
Kühnheit mit seiner Ruchlosigkeit gleiches Maass hielt. 
Aber alle Länder, besonders auch Deutschland, waren voll 
von solchen kleinen Tyrannen, welche den ritterlichen Muth 
nur in Räubereien und Gewaltthaten zeigten und sich dafiir 
(lllfßh äussere Kirchenbussen mit dem Himmel abfinden zu 
können glaubten  Allein selbst diese gesteigerte Anmaas- 
sung und Bosheit giebt einen Beweis für den idealen und 
kräftigen Charakter dieser Epoche. Es war eben eine Zeit, 
4'] Der schon erwähnte Cäsar von Heisterbach eifert gegen meh- 
rere derselben, gegen Landgraf Ludwig den Eisernen von Hessen 
(Dist. I. o. 27. 34. XII. 2], den Grafen Wilhelm von Jülich (XII. 5] 
und Andere. Er nennt sie ausdrücklich Tyrannen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.