Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-956414
362 
Rheinischer 
Uebergangsstyl. 
hervorgerufen und seine Vertreibung aus der Stadt veran- 
lasst habe. Allein es unterliegt keinem Zweifel, dass diese 
edle und mächtige Construction nicht der schlichten und selbst 
rohen Säulenbasilika aus Annois Zeit, der sie angebaut ist, 
gleichzeitig sein kann. Andererseits aber sind die Formen 
noch rein romanisch, ohne jede Beimischung von entschie- 
denen Zeichcn des Uebergangs, so dass wir sie wohl nicht 
später als in die letzten Jahre des zwölften Jahrhunderts 
setzen dürfen  
Nicht wie dieser stolze und prachtvolle Bau von Drachen- 
felser 'l'rachit, sondern von schlichtem Tufstein, auch nicht 
mit so ausgezeichneter Technik ausgeführt, aber durch 
sinnreiche und zierliche Anlage interessant, ist die, jetzt 
auf den Friedhof zu Bonn versetzte Kapelle der ehemaligen 
Deutschherreil-Commende zu Ramersdorf. Sie hat drei 
Schiffe von gleicher I-Iöhe, was an Kirchen dieser Gegend 
sonst noch nicht vorkommt, aber bei einer so kleinen Ka- 
pelle ebensotvenig wie bei Krypten auffallen kann. Ihre 
spitzbogigen Rippengewölbe werden von vier schlanken 
Riugsäulen und von Gewölbdiensten getragen, welche auf 
gleicher Höhe mit jenen Ringen von Consolen an Wand- 
pilastern aufsteigen. Die Chornische hat eine ungewöhn- 
liche Grösse, indem ihr Umfang etwa drei Viertel eines 
Kreises enthält, also gewissermaassen einen hufeisenartigen 
Bogen beschreibt und sich über die Breite des Mittelschitfes 
hinaus erweitert. Die Fenster des Langhauses sind dicht 
unter den Schildbögen als vierblätterige Rosen angebracht, 
1') F. v. Quast (in dem angeführten Aufsatze Heft X, S. 214] 
entwickelt scharfsinnig die Verlnuthung, dass jene Sage nur die Namen 
verwechselt, und einen Hergang aus der Zeit des Erzbisehofs Engel- 
bert II. auf den Erbauer der Georgskirche übertragen habe. Allein 
dann würde gewiss nicht das künstliche Kuppelgewölbe, sondern das 
im dreizehnten Jahrhundert geläufige Rippengewölbe angewendet sein. 
Boisseree a. a. O. Taf. 21  24.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.