Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952975
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Historische 
Einleitung. 
Könige Heinrich II. und Philipp August führen die 
Rechte ihres weltlichen Berufs mit eiserner Consequenz und 
selbstbewusster Kühnheit durch, verschmäheil aber auch 
kein Mittel, und verrathen noch die frühere Rohheit der 
Gesinnung. Milder, gehaltener, würdiger ist schon die 
Gestalt des grossen Hohenstaufen, _Friedrichs L, auch 
er scheut zwar die äusserste selbst grausamste Strenge 
nicht, aber er wendet sie nur da an, wo die Härte seiner 
Gegner ihm, einen politischen Grund giebt, nicht aus blin- 
der Leidenschaft. Es geht sogar ein Zug von Gemütli- 
lichkeit und Weichheit durch sein WVesen. Die Kontraste 
treten grell hervor, wenn der Zerstörer Mailands vor sei- 
nem mächtigen Vasallen, Heinrich dem Löwen, fussfällig 
bittet. An Richard Löwenherz sehen wir die höchste 
Steigerung ritterlicher Bravour, aber er sucht seinen Ruhm 
nur in der Kraft des Armes, nicht in edler Sitte, seine 
Habsuclmt und Gewaltthätigkeit äussert sich in unverschleier- 
ter Rohheit. 
 Mit dem Beginne des dreizehnten Jahrhunderts finden 
wir uns in einer milderen Atmosphäre. Der Ueberrest des 
Gewaltsamen und Starren, der den Helden des vorigen 
Jahrhunderts noch anhaftete, verschwindet nun auch; man 
handelt nicht bloss nach verständiger Ueberlegung, sondern 
mit Leichtigkeit und Sicherheit. Die Gränzen des Erlaub- 
ten und Verbotenen sind bereits besser festgestellt, die 
Sitten ausgebildet. Man begnügt sich nicht damit, das N ütz- 
liche und Richtige zu thun, sondern fordert auch eine wür- 
dige und anständige Form. Auch jetzt noch fehlt es nicht 
an Härten und Uebergrilfen, aber sie tragen nicht mehr 
den Stempel des Unsichern, Leidenschaftlichen, man berück- 
sichtigt die Anforderungen der Menschlichkeit und der Sitte 
auch da, wo man sie verletzt, man will von der Welt 
verstanden und beurtheilt werden. Die wissenschaftlichen
        

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