Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-956389
Kirchen 
Zll 
Sayn, 
Coblenz 
und 
Andernach. 
359 
türlich nur eine Vermuthimg, der man nicht zu grosse 
Ausdehnung geben darf, da die starken Mauern der Kir- 
chen von Feindeshand nicht leicht gefährdet werden und 
Selbst einer Feuersbrunst widerstehen, da auch die Er- 
schöpfung des Landes durch jene Kriege schwerlich die 
Herstellung in so reicher VVeise zugelassen haben dürfte. 
Auch sind die Verschiedenheiten dieser Werke zu gross, 
als dass man sie alle in einen so kurzen Zeitraum setzen 
dürfte, und manche derselben werden daher dieser kriege- 
rischen Zeit schon vorhergegangen sein. 
Zu den schönsten Kirchen des Rheinlandes gehört die 
Pfarrkirche zu Andernach, ein nicht unbedeutender Bau, 
zwar ohne Kreuzschilf, aber mit vier kräftigen Thürmen, 
zwei an der Fagade, zwei an der halbkreisförmigen Concha, 
im Inneren mit einer Empore über den SeitenschiHen. Aus 
der ältesten Bauzeit unter Ludwig dem Kinde mag viel- 
leicht der südliche Thurm der Ostseite stammen, alles Ue- 
brige ist später. Die Chornische mit Arcaden von Pila- 
stern und Säulen, mit der Gallerie, dem Plattenfriese, und 
sehr reich ornamentirten Gesimseil ausgestattet, gleicht eini- 
germaassen denen des Münsters zu Bonn und der Kölner 
Kirchen von St. Martin und Aposteln, doch deutet schon 
die schlanke Haltung der Fenster und der sie umgebenden 
Arcaden auf eine etwas spätere Zeit. Noch deutlicher zeigt 
sich diese im Langhause, obgleich der Spitzbogen nur im 
Gewölbe vorkommt, in den fächerförmigen Fenstern des 
Oberschiifes, in den kräftigen Vorlagen der gewölbtragen- 
den Pfeiler, den gekuppelten Säulen der Empore und ihren 
mit phantastischem Laubwerk reichgeschmückten Kapitälen, 
endlich besonders in dem Rippengeivölbe, dessen Diagonal- 
gurten schon das birnförmige Profil, das entscheidende 
Zeichen gothischer 'l'endenz, haben. Können wir daher 
jene Chornische auch vielleicht noch in die letzten Decen-
        

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