Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952963
Sentimentalität 
und 
Härte. 
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lichkeit verschmähete und sich in künstlicher Steigerung 
getiel. Der so oft wiederkehrende Irrthum, das Unge- 
wöhnliche und Unnatürliche für vornehm zu halten, findet 
sich schon jetzt. 
Allein noch warenidie gesunden Elemente zu luäftig, 
um dieser falschen Richtung tiefern Einfluss zu gestatten- 
Es lag denn doch in dieser Weichlichkeit ein zu schroffer 
Gegensatz gegen die Festigkeit und Beharrlichkeit der IrIei- 
ligen und Kirchenfursten, gegen die ruhige , männliche 
Kraft des germanischen Charakters, gegen den Ernst des 
Kampfes, der noch fortgesetzt wurde, gegen die logische 
Gründlichkeit, die aus den Hörsälen der Scholastiker mehr 
inid mehr in das Leben überging. In der That bildete jene 
Weiche Sentimentalität nur eine Seite der Entwickelung, 
und neben ihr trat, besonders in der ersten Hälfte der 
Epoche, in allen ernsten mid rechtlichen Beziehungen noch 
eine grosse Schroffheit und selbst Härte hervor. Die 
Extreme standen auf dem sittlichen Gebiete nahe neben 
einander. Aber eben dadurch entstand eine grosse Mannig- 
faltigkeit und allmälig, je mehr im Laufe der Zeit diese 
beiden widerstrebenden Elemente verschmolzen, eine be- 
wundernswürdige Kraft und Schönheit der hervorragenden 
Charaktere. Diese Epoche gewährt uns daher auch in 
dieser Beziehung ein Bild des Fortschrittes; wir können 
es an den hervorragenden Gestalten der Geschichte beobach- 
ten, wie die Charakterbildung allmälig zu grösserer Reife 
gedeihet. 
Schon am Anfange dieser Epoche finden wir bei den 
weltlichen Leitern der politischen Verhältnisse nicht mehr 
jenes unsichere Schwanken, wie früher, aber sie bleiben 
sich denn doch noch selten treu und verfahren selbst bei 
wohlbegriindeten Ansprüchen mit Härte und Gewaltsamkeit. 
Dies zeigt sich besonders bei Britten und Franzosen; ihre 
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