Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-956275
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Rheinische 
Uebergangsbauten. 
diesem Vorgange und zwar in höchst gelungener WVeise 
ab. Der Meister verzichtete auf die allzu abstracte Durch- 
führung des Pyramidalgedankens. Er gab den schmalen, 
rechteckigen Räumen, Welche die Conehen mit der Vierung des 
Kreuzes verbinden, und mithin der ganzen Anlage im Ver- 
Brande von 1199 begonnenen und bis 1219 völlig beendigten Baues 
wohl vereinigen liesse. Allein da in dieser Nachricht nur von dem 
Gewölbe die Rede ist, nicht von der Beendigung eines grösseren 
Baues, so spricht sie mehr dafür, dass durch den Brand von 1199 nur 
die oberen Theile des Gebäudes zerstört waren, deren Herstellung ver- 
bunden mit der Ueberwölbung nach den Drangsalen des bis 1206 
dauernden Krieges erst bis 1219 bewirkt werden konnte. Dass dieser 
Herstellungsbau kein sehr umfassender gewesen, findet auch darin eine 
Bestätigung, dass Caesarius von Heisterbach, der von Kölnischen An- 
gelegenheiten sehr wohl unterrichtet ist, in seinen um 1220 geschrie- 
benen Dialogen (Lib. VIII, c. 63] desselben nicht erwähnt, obgleich 
er eine diese Kirche betreffende Anekdote mittheilt, welche ihn wohl 
dazu veranlassen konnte, und die vielleicht sogar auf die Entstehung 
der Conchen Beziehung hat. Er erzählt nämlich, ein reicher Kölner 
Bürger habe, weil zwar die Sünde schwer, Werksteine aber noch schwer 
rer seien, eine Schiffsladung von solchen gekauft, und da die Apostel 
seine Richter sein würden, neben der Apostelkirche hinlegen lassen. 
Als ihn nun die Stiftsherren gefragt hätten, was er damit bezwecke, 
habe er erwiedert, die Kirche würde doch irgend einmal einer Renova- 
tion bedürfen (aliqua dierum renovanda est ecclesia], da würden sie 
ihnen nützlich sein. Und nun fügt Caesarius hinzu, dass nicht lange 
darauf, als die Kirche vergrössert wurde, und zwar, wie er meine, 
auf Veranlassung dieser Steine, dieselben zum Fundament be- 
nutzt seien. Die Zeit, wo dieser ohne dringende Veranlassung begon- 
nene Vergrösserungsbau stattgefunden, nennt er zwar nicht ausdrück- 
lich; er bezeichnet aber jenen Bürger als den Vater eines damals schon 
verstorbenen Abtes von Villers, den er selbst noch gekannt hatte. Er 
weist also ungefähr auf die von mir angenommene Zeit, das letzte 
Viertel des zwölften Jahrhunderts, und auf einen um diese Zeit statt- 
gefundenen Bau hin, bei dem man neuer Fundamente bedurfte, und 
erwähnt nicht, dass dieser nicht gar lange danach niedergebrannt und 
durch einen anderen ersetzt sei. Dieser Bau kann aber nach der Be- 
schaffenheit des Gebäudes kaum ein anderer gewesen sein, als der der 
östlichen Theile, da das Langhaus seiner Anlage nach älter, das West- 
liche Querschiff aber jünger ist.
        

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