Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-956188
Entstehung 
des 
Uebergalngsstyls. 
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"auch keinem anderen völlig durchbildeten Style angehörten, 
welche freilich gemeinsame Grundzüge und stylistische 
Eigenthümlichkeiten enthalten, aber doch auch vorzugsweise 
durch ihre Mannigfaltigkeit und durch bunten wirksamen 
Schmuck den Betrachter fesseln. 
In Beziehung auf die Anordnung verfolgte man die in 
den älteren Gebäuden schon gegebene Richtung; man suchte 
durch Zusammenstellung von Kuppeln, Thiirmen und Con- 
chen grossartige Gruppen der äusseren Gestaltung zu erlan- 
gen, und den Gedanken eines Centralbaues, der am Schlusse 
der vorigen Epoche in der kleinen Kirche von Schwarz- 
rheindorf schon so bestimmt ausgesprochen war, noch 
weiter und im Anschlusse an das bei grösseren Kirchen 
unentbehrliche Langhaus auszubilden. Man erreichte dies 
hauptsächlich durch mannigfaltige constructive und decora- 
tive Verwendung von Bögen und Wölbungen. Da man in 
den älteren Bauten die Concha als eine wirksame, entge- 
genstrebende Stütze für die Kuppel auf der Vierung des 
Kreuzes kennen gelernt hatte, fiel man darauf, nun auch 
durch nach dem Inneren zu geöffnete Nischen, welche man 
vorzugsweise in der Concha, dann aber auch Wohl an den 
geraden Wänden anbrachte, eine verstärkte Tragekraft mit 
Ersparung der Mauermasse und mit anmuthiger Belebung 
der inneren Wände zu erlangen. Beides erreichte man 
demnächst im Aeusseren in noch höherem Grade durch die 
offenen Gallerieix unter dem Dache, auf deren Bedeutung 
ich schon früher aufmerksam gemacht habe, die aber erst 
in dieser Epoche immer mehr in allgemeinen Gebrauch ka- 
men und durch den Wechsel von Säulen und beschatteten 
Hallen 
die 
beliebteste 
Zierde 
des 
bildeten. 
Aeusseren 
ben 
diesem 
bedeutsamen 
Theile 
erschienen 
dann 
bald 
die 
einfachen Rundbogenfriese nicht mehr genügend; man be- 
gann sie zu häufen, stärker und fagettenartig zu proüliren, 
22 5' 

        

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