Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-956127
Gandersheinn, 
Wunsdorf, 
Heiningen. 
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herüber gespannt sind, gestützt und durchschnitten, welche, 
da die Breite des Seitenschilfes bedeutend geringer ist als 
der Pfeilerabstand, spitzbogig werden mussten, um die 
Höhe des Transversalgewölbes zu erhalten, ebendaher aber 
auch einander nicht berühren, und mithin keine vollstän- 
digen Diagonalen bilden, sondern nur auf beiden Seiten mit 
etwas von einander entfernten Spitzen in das Gewölbe ein- 
schneiden ii). Auch die WVölbung der Vorlage des Chors 
ist kein vollständiges Kreuzgewölbe. 
Etwas entferntere Nachbildungen der Wölbung des 
Braunschweiger Domes zeigen die schon erwähnten Klo- 
sterkirchen zu Gandersheim und Wunsdorf, von denen 
jene im Jahre 1170 abgebrannt war. In beiden erhielten 
die viereckigen Pfeiler des älteren Baues Vorlagen zur 
Stütze des Gewölbes, das sich aber, da hier zwischen den 
Pfeilern je zwei Säulen standen, ganz ungewöhnlicher 
VVeise über drei Arcaden erstreckt. Auch die Augustiner- 
kirche zu Heiningen unfern Hildesheim hat quadrate Ge- 
wölbe ohne Quergurten, deren Diagonalen auf Ecksäulen 
an kreuzförmigen Pfeilern ruhen, und zwischen diesen, 
jedoch einfach alternireilde Säulen. Die Klosterkirche auf 
3') Kallenbach (Chronologie Taf. IV] giebt den Grundriss unvoll- 
ständig und mit Fortlassung der Gewölbe und inneren Pfeiler, die er 
Wahrscheinlich, da er ohne allen historischen Grund das Datum 1040 
 1050 angiebt, für einen späteren Zusatz hält. Das Gebäude ist in- 
dessen augenscheirllichst ganz aus derselben Zeit und nach allen Zei- 
chen nicht eher als gegen Ende des zwölften Jahrhunderts entstanden. 
Der beigefügte Durchschnitt zeigt eine beachtenswerthe Eigenthümlich- 
keit, welche sich indessen auch an anderen kleineren Kirchen (nament- 
lich in Westphalen) findet. Die Nischen am Schlüsse der Seitenschiffe 
dienten nämlich nur dazu, den unteren Theil der Mauern als Altartisch 
brauchbar zu machen, und gewährten also eine Raumersparniss. Dass 
die Stufen, welche auf den erhöhten Chor führen, nur an den Seiten 
angebracht sind, und der mittlere Theil gegen das Laughaus Vortritt, 
hatte wahrscheinlich einen ähnlichen Zweck, etwa behufs leichterer 
Austheilung der Hostie an die Oommunicanten.
        

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