Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-956073
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Gewölbebauten 
in 
Sachsen. 
viereckige Gestalt mit eingeblendeten Ecksäulen, Würfel- 
kapitälen und Eckblättern der Basis; nur darin besteht eine 
Aenderung, dass diejenigen, welche das Gewölbe tragen, 
nicht mehr ein einfaches Viereck bilden, sondern eine 
kreuzförmige Gestalt, und mithin Vorlagen haben, von 
denen die drei niedrigeren die Scheidbögen und das Seiten- 
gewölbe, die nach dem Mittelschiffe zu gelegenen, höher 
hinaufsteigenden aber die Wölbung des Oberschilfes stü- 
tzen. Dadurch sind denn auch die Ecksäulchen verdoppelt, 
indem nun jeder der vier vorliegenden Theile als ein von 
zwei solchen Säulchen eingefasster Pilaster erscheint, der 
oben durch ein Gesimse bekrönt wird. Da das Gewölbe 
aber ein quadrates, über zwei Scheidbögen gespanntes ist, 
so war bei den mittleren Pfeilern diese Neuerung nicht 
nöthig; sie haben daher ganz die ältere Form. Das Ge- 
wölbe ist ein Kreuzgewölbe und zwar mit einer schwachen 
Zuspitzung, aber in einer von den an anderen Orten und 
namentlich am Rheine gebrauchten abweichenden, allerdings 
jenen Pfeilern sehr angemessenen Gestalt. Es hat nämlich 
keine Quergurten, ist daher eigentlich ein spitzes 'l'onnen- 
gewölbe, in Welches zwischen jedem Pfeilerpaar ein an- 
deres, gleichgestaltetes Tonnengewölbe einschneidet und 
dadurch die (liagonalen Gräten bildet Diese Gräten 
entsprechen den Ecksäulen, Während die breite ungetheilte 
Gewölbfläche zwischen ihnen auf dem Kämpfergesimse der 
Vorlage ruht und als eine Fortsetzung ihrer Pilasterfläche 
erscheint. In den Seitenschißen waren an der Fenster-wand 
1') v. Qnast (Deutsches Kunstbl. 1850, p. 241] ist der Meinung, 
dass das Gewölbe jünger sei, als die Weihe von 1194, und bringt es 
mit einer Einweihung von 1227 (denn so und nicht wie gedruckt 1127 
wird es heissen sollen) in Verbindung. Da indessen die Pfeiler augen- 
scheinlich auf Gewölbe angelegt sind und nichts eine spätere Verände- 
rung anzeigt, so kann ich (mit Schiller a. a. O.) diese Vermuthung 
nicht theilen.
        

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