Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-956040
Stephan 
in 
Wien. 
325 
lichte Breite kaum 8 Fuss], doch durch Ausdehnung und 
Anordnung wahrhaft grossartig. Die Verhältnisse sind 
höchst regelmässig; die Breite jeder Seitenwand und die 
Höhe des Bogenfeldes mit allen seinen Archivolten sind 
einander und der lichten Höhe der Thüröffnung fast gleich. 
Jede der Seitenwände enthält zwischen den kräftig hervor- 
tretenden und zierlich ausgekehlten Wandecken fünf, aus- 
serdem stehen an den beiden äusseren Wandpfeilern noch 
Zwei, im Ganzen also auf jeder Seite sieben Säulen, deren 
Stämme alle reich verziert sind und zwar in regelmässiger 
Abwechselung mit sehr kräftigen, rautenförrnigen Bandver- 
Schlingungen oder mit leichterem Blattwerk. Darüber krei- 
sen ausser dem den äusseren Wandpfeilem entsprechenden 
glatten Bogen zehn concentrische Rundstäbe, wiederum re- 
gelmässig wechselnd theils glatt, theils mit reichen schat- 
tenden Verzierungen, den Säulenstämmen ähnlich. Die Ka- 
pitäle sind mit knospenartigem und diamentirtem Blattwerk 
ohne phantastische Beimischung von Gestalten ausgestattet, 
welche sich dafür an dem fortlaufenden, hohen Deckgesimse 
zahlreich linden. Das Bildwerk des Bogenfeldes, Christus 
in der Glorie von zwei Engeln getragen, hat noch völlig 
den strengen Styl der romanischen Epoche. Die ganze 
architektonische Anlage wirkt durch das regelmässige Al- 
terniren verzierter und glatter Theile und vermöge der da- 
durch belebten Kreisbewegung der Archivolten höchst im- 
ponirend und gehört zu den prachtvollsten Leistungen die- 
ses reichen Styls. Nachrichten über die Entstehungszeit 
fehlen; man wird sie bei der späten Entwickelung dieser 
Gegend nicht früher als in das erste Viertel des dreizehn- 
ten Jahrhunderts setzen dürfen de). 
4'] Man weiss nur von einem im Jahre 1144 geweihten Bau und 
von Herstellungen nach den Bränden von 1258 und 1275, denen dies 
Portal nicht zugeschrieben werden kann. Vgl. die Abbildung bei Franz 
Tschischka, der Stephans-Dom, Wien 1832.
        

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