Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-955963
Michaelis 
Zll 
Hildesheim. 
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und Abgebrochene, das Dunkle und Schwere, sie unter- 
hielt sich gern mit anmuthigen Räthseln, aber sie wollte 
auch die Lösung sehen; sie bewegte sich gern in dem 
Wagniss kühner, leicht geschwungener Linien, aber doch 
nur im heiteren Spiele und im Gefühle der Sicherheit des 
Gelingens. Dieser Richtung entsprach die maurische Kunst, 
der abendländische und namentlich der deutsche Geist eig- 
nete sich daher aus ihr das Verwandte an, übertrug es 
auf die einheimischen Verhältnisse und schuf daraus ein 
Ganzes, welches wie die ritterliche Romantik auf dem 
ernsten Hintergründe christlicher Sitte anmuthige Kühnheit 
und graziöscn Uebermuth entwickelt. 
Ritter und Klerus waren zu sehr desselben Blutes, als 
dass dieser Geschmack der weltlichen Bauten ohne Einfluss 
auf die kirchliche Architektur bleiben konnte. Zuerst {in- 
den wir ihn hier an den Nebengebäuden, in' Sälen und 
Kreuzgängen, bald aber auch in den Kirchen selbst. Viel- 
leicht geschah dies zuerst bei Restaurationen, WO die Mei- 
ster an die vorgefundene Anlage gebunden waren und sich 
für den Mangel feinerer Gliederung durch reiche Aus- 
schmückung entschädigen wollten. Ein ausgezeichnetes 
Beispiel dieses Verfahrens ist die Michaeliskirche zu 
Hildesheim, wie sie nach einem im Jahre 1162 erfolgten 
Brande bis zum Jahre 1184 wieder aufgebaut wurde. Die 
Anordnung wurde, aus Rücksicht für den Stifter Bernward 
oder weil einzelne Theile noch brauchbar waren, beibe- 
halten; Pfeiler wechselten mit je zwei Säulen, und die 
Bögen mussten daher die einfache ungebrochene Gestalt 
behalten. Aber während die Wenigen älteren Säulen, die 
man noch jetzt erkennt, den einfachen VVürfelknauf zeigen, 
ist an den später hinzugefügten die Würfelform bald zu 
kräftig ausladenden Blätterreihen, bald zu Verschlingungen 
und Pflanzengewindeil entwickelt. Menschliche und thie-
        

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