Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-955921
Die 
goldene 
Pforte 
Zll 
Freiberg. 
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nicht so zarte Rücksicht auf die harmonische Verbindung 
ihrer Arbeiten mit den älteren Theilen des Gebäudes zu 
nehmen, waren vielmehr meistens so erfüllt und eingenom- 
men ton ihrer neuen Kunst, dass sie dieselbe fast absicht- 
lich im Contrast zu den älteren Formen geltend machten. 
Wir haben daher hier einen augenscheinlichen Beweis, 
dass man in diesen Gegenden bewussterweise die roma- 
nische Form, wenigstens in der Wesentlichen Anordnung 
eines so wichtigen Theiles, der schon bekannten gothischen 
vorzog. Ebenso bemerkenswerth ist, wie sehr dies eigen- 
thümliche VVerk an antik römische Arbeiten oder doch an 
italienische Arbeiten der ersten Renaissance erinnert. Es 
ist nicht sowohl Einzelnes, was diesen Eindruck hervor- 
bringt. Zwar sind die geradlinigen Kannelluren völlig wie 
die der ionischen und korinthischen Säulen, aber der volle 
Blätterschmuck der Kapitäle ist nur eine Reminiscenz, nicht 
eine vollständige Imitation des korinthischen Kapitäls, und 
alles Uebrige, was an antike Form erinnert, entspricht doch 
ganz dem romanischen Style, es ist nur voller, frischer, 
freier behandelt. Es ist möglich, dass der Künstler etwa 
in Italien römische Werke gesehen hatte, aber im NVe- 
sentlichen entsteht dieser Anklang an Antikes doch nur 
dadurch, dass die Elemente, die im romanischen Style ent- 
halten und in der sächsischen Schule besonders treu be- 
wahrt waren, durch den frischeren Geist, der die Kunst 
überhaupt durchdrang, auch höhere frischere Farben er- 
hielten, und dass der Künstler, von dem dieses Werk 
stammt, diese antiken Elemente mit grösserer Zuneigung 
und Wärme ausbildete, als seine Zeit- und Kunstgenossen. 
Während wir hier also noch bis gegen die Mitte des 
dreizehnten Jahrhunderts die romanische Form mit vollstem 
Verständnisse behandelt sehen, machten sich indessen an 
anderen Stellen fremde Einflüsse geltend. Die gelehrte
        

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