Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-955851
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Deutschland. 
in der romanischen Architektur ungeachtet der erlittenen 
Umgestaltung erhalten War, hatte für die Deutschen noch 
einen höheren Werth. In Frankreich fiel der Beginn des 
gothjschen Styls mit einer Vernachlässigung der klassischen 
Literatur zusammen; wir kennen die Klagen, welche die 
Anhänger derselben über den Verfall dieser Studien und 
über die barbarische Latinität der Scholastiker führten. Die 
ungeachtet ihrer 
eine Aehnlichkeit 
gothische Baukunst hat 
thümlichkeit doch darin 
höheren Eigen- 
mit dieser Lati- 
nität, dass sie aus antiken Formen hervorging, sie theil- 
weise beibehielt, aber in einem ihrer ursprünglichen Be- 
deutung entgegengesetzten Sinne behandelte. In Deutsch- 
land wurden die klassischen Studien, wenn auch nicht mit 
dem Eifer wie zur Ottonenzeit betrieben, doch nicht so 
völlig vernachlässigt. Das Gefühl, dass die 'l'raditi0n der 
römischen Welt ein nothwendiges Bildungselement, eine 
nothwendige Ergänziulg der germanischen Natur sei, er- 
hielt sich noch immer und hatte auch auf die Baukunst 
einen, wenn auch unbewussten Einfluss. Die Vorliebe für 
romanische Formen wurde endlich durch die Verbindung 
Deutschlands mit Italien genährt. Ein Einfluss der italieni- 
schen Kunst auf die deutsche fand allerdings in dieser 
Epoche noch weniger statt als in der vorigen, jene War 
vielmehr gerade jetzt augenscheinlich die empfangende. 
Aber auch die Italiener waren ein ungemischtes Volk, sie 
konnten sich noch weniger als die Deutschen mit den künst- 
lichen Schlüssen der Scholastik, mit den conventionellen 
Begriffen des Ritterthums befreunden; das südliche Klima 
begünstigte einfachere Formen und Verhältnisse, die Ueber- 
reste antiker Kunst standen noch vielfach über dem Boden 
und gaben den Städten ihr Gepräge. Tausende von Deut- 
schen, welche alljährlich im Kriegsheere oder im kirch- 
lichen Berufe, durch Familienverbinduxlgen oder im kauf-
        

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