Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-955848
Anhänglichkeit 
den 
romanischen 
Styl. 
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Deutschland sogleich verstanden werden müssen, man würde 
ihn wie einen auswärts geborenen Bruder mit Freuden 
aufgenommen haben. Er war aber das Erzeugniss nicht 
einer rein germanischen, sondern einer aus Romanen und 
Germanen gemischten Nation, er war das Werkpdes orga- 
nisirenden, das Auseinanderstrebende verbindenden Talentes, 
Welches in gemischten Nationen schon im Leben und durch 
das Bedürfniss der Einigung Uebung und Ausbildung er- 
hält, und trug das Gepräge der künstlicheren Verhältnisse, 
welche durch den Gegensatz und die allmälige Verschmel- 
zung der Stämme entstehen. Er hatte denselben Charakter 
der Vermittelung und Ausgleichung wie die Scholastik 
und das französische Ritterthum, und dieser Charakter trat 
gerade in der früheren Gestalt des gothischen Styls, WO 
die constructiven Elemente vorherrschten, unverhüllt und 
unverkennbar hervor. Den Deutschen war dieser Begriff 
einer höheren, durch Verschmelzung der Gegensätze ge- 
bildeten Einheit fremd; sie fühlten sich nur vermöge ihrer 
natürlichen Abstammung als ein Volk, nicht vermöge ihres 
politischen Zusammenhanges. Sie hatten überall einfachere 
Verhältnisse vor Augen mid daher die Neigung, diese auch 
in der Architektur wiederzufinden. Der romanische Styl 
sagte ihnen schon deshalb mehr zu, weil er in der Con- 
struction und in der Bogenform einfacher und natürlicher 
ist, als der gothische. Es knüpften sich an diese Natür- 
lichkeit poetische Empfindungen, auf die man nicht ver- 
zichten konnte. und für die man noch keinen Ersatz kannte. 
In Wie vielen Stellen legen nicht unsere Dichter des drei- 
zehnten Jahrhunderts gleiehsam Protest gegen die künst- 
lichen Zustände ein, welche der Zeitgeist der Nation fast 
wider ihren Willen aufnöthigte, in wie vielen sprechen sie 
nicht die Sehnsucht nach einfacheren und nätürlicheren 
Verhältnissen 
V. 
8115. 
Aber 
auch 
das antike Element, 
20 
welches
        

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