Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-955804
Deutschland. 
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Die Ursachen dieser Erscheinung liegen theils in den 
politischen Verhältnissen, theils in der Geschmacksrichtung 
der Deutschen. 
Auch Deutschland nahm an dem Aufschwunge An- 
theil, den wir im ganzen Abendlande um die Mitte des 
zwölften Jahrhunderts bemerken. Die Wachsende Bevöl- 
kerung, der grössere Reichthum der Städte, die weitere 
Verbreitung mannigfacher Bildungselemente führten auch 
hier zu mildern Sitten, zu regerem geistigen Leben. Nach 
den Stürmen, welche das schwankende und gewaltsame 
Benehmen der Kaiser des salischen Hauses hervorgerufen 
hatte, bestieg ein kräftigeres und würdigeres Geschlecht 
den Thron, welches das Gefühl der Ruhe und des Be- 
hagens verbreitete und selbst Männer erzeugte, für welche 
die Nation sich wieder begeistern konnte. Allein dennoch 
nahm Deutschland gerade jetzt in politischer Beziehung 
eine ganz andere Richtung als die westlichen Nationen. 
Während in England Normannen und Sachsen den alten 
Hader vergassen und zu einem Volke verschmolzen, wäh- 
rend Frankreich im Bedüifniss nationaler Einheit sich um 
das königliche Banner schaarte, zerfiel Deutschland mehr 
und mehr. Durch den Kampf der Krone mit der Kirche, 
durch die Schwäche und Inconsequenz der salischen Kaiser 
war die Macht der 'l'erritorialherren schon so erstarkt, 
dass es der ganzen Kraft der Hohenstaufen bedurft hätte, 
um die Bande der Einheit wieder fester zu ziehen. Aber 
ihre Blicke Waren auf Italien gerichtet, ihre auswärtigen 
Kriege machten sie gegen die deutschen Vasallen nach- 
giebig, und so kam es, dass gerade unter der Herrschaft 
dieser ausgezeichneten Fürsten die Zersplitterung Deutsch- 
lands für immer begründet wurde. 
Diese politischen Verhältnisse hatten einen unmittel- 
baren Einfluss auf das ganze geistige Leben. Während
        

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