Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-955680
Sterngewvölbe 
der 
Kapitelhäuser. 
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eben so viele dazwischengestellte Wandsäulen, welche mit 
den zehn den Mittelpfeiler umgebenden Marmorsäulen durch 
Gurten verbunden sind. In die zwischen diesen Gurten 
entstehenden dreieckigen Felder schneiden demnächst die 
Stichkappen der Fenster ein, deren beide Rippen in ihrem 
Schlusssteine mit einer vom Mittelpfeiler ausgehenden Schei- 
telrippe zusammentreffen, so dass ein länglich zehneckiges 
Sterngewölbe entsteht, welches (abgesehen davon, dass es 
theils kürzere, theils längere Strahlen hat und als Rippen- 
gewölbe ausgeführt ist) jenem in Worcester sehr ähnlich 
ist, indem auch in diesem von dem Mittelpfeiler ausser 
den zehn Gurten zehn Gräten, mithin zwanzig Strahlen 
ausgehen. Die ganze Ausstattung des Gebäudes ist sehr 
reich und reizend, hat aber -im. Einzelnen etwas von der 
Sprödigkeit, welche den frühenglisehen Styl charakterisirt. 
Die Bögen des zweitheiligen Portals sind lancetförmig und 
parallel, die Zwischenräume der Säulen und die Arcaden des 
Innern reichlich mit dem Toothornament in der scharfen Be- 
handlung ausgestattet, welche noch die Abstammung von 
der älteren Zickzackverzierung erkennen lässt. Diese Ar- 
caden, Welche aus der Wand heraustreten und Baldachine 
über den Sitzen der Chorherren bilden, sind dann aber mit 
vortrefflichen Sculpturen, namentlich mit kleinen hervorra- 
genden Köpfchen von höchst energischer Arbeit und cha- 
rakteristischem Ausdrucke geschmückt. Die Verhältnisse 
des Gebäudes sind mässig; der grösscre Durchmesser ist 
45 Fuss, die Höhe wird sich nicht über dreissig erheben. 
Ohne Zweifel war der Architekt hier durch den ihm an- 
gewiesenen Raum beschränkt, und würde bei grösserer 
Freiheit die einfachere und zureckrnässigere Form des re- 
gelmässigen Achtecks gewählt haben, wie dies bei dem, 
bald darauf gegründeten Kapitelhause der Kathedrale von 
Salisbury (vollendet etwa 1270) geschehen ist, in wel- 
V. 19
        

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