Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-955655
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Der 
frühenglische 
Styl. 
aufkam; es enthält noch mehr geometrische Elemente und 
bestimmtere Formen  
Auch in einer anderen Beziehung führte diese decora- 
tive Richtung die englischen Architekten schnell über das 
erste Stadium des Styls hinaus, in Beziehung nämlich auf 
die Gewölbe, hier jedoch in vortheilhafterer Weise. 
Während man nämlich auf dem Continent im ganzen Laufe 
des dreizehnten Jahrhunderts bei dem einfachen Kreuzge- 
wölbe stehen blieb, wurden in England schon bald nach 
der Mitte desselben reichere und künstlichere Gewölbfor- 
men angewendet. Schon bei den gewöhnlichen Kreuzge- 
wölben auf viereckigen Räumen begann man sehr früh die 
Zahl der Gewölbrippen zu vermehren, indem man zu den 
Quer- und Diagonalrippen noch eine Scheitelrippe hinzu- 
fügte, welche ununterbrochen in der ganzen Länge des 
überwölbten Raums fortlänft rund die Schlusssteine der ein- 
zelnen Gewölbfelder verbindet. Die Möglichkeit einer solchen 
Longitudinalrippe beruhete darauf, dass man die Kappen 
von den Quergurten zu den Diagonalrippen nicht, wie es 
auf dem Continent häufig geschah, ansteigend, sondern 
horizontal wölbte, allein ein erheblicher statischer Nutzen 
war dennoch von einer solchen Rippe nicht zu erwarten. 
Sie war im 1Vesentlichen eine blosse Decoration, und zwar 
keine glücklich gewählte, da sie die beiden Hälften des 
Gewölbes schied, mithin die innere Einheit der einzelnen 
Gewölbfelder und das durch die Diagonalrippen angedeutete 
lebendige Entgegenkommen der beiden Seiten des Gebäudes 
verdunkelte. Anders verhielt es sich, wenn man Räume 
 Die englischen Archäologen, namentlich Sharpe a. a. 0., nen- 
nen das Maasswerk dieser Epoche daher das geometrische (geometrical 
tracery) im Gegensatze zu dem geschweiften (flowing oder curvilinear) 
und dem geradlinigen [rectilinear oder perpendicular). Das letzte, welchem 
Sharpe die Zeit von 1360 bis 1500 anweist, ist in den englischen Kirchen 
jetzt bei Weitem das vorherrschende, namentlich an grösseren Fenstern.
        

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