Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952890
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Rechtliche 
Verhältnisse. 
benslehren erlangt hatte, machte sie höchst geeignet, das 
Chaos rechtlicher Ansprüche zu ordnen. Sie führte daher 
wie in der Theologie, so im öffentlichen Leben das WVort, 
und blieb auch den Spitzlindigkeiten ritterlicher Courtoisie 
nicht fern, so dass auf der Oberfläche des Lebens, in 
Kirche und Wissenschaft, in rechtlichen und staatlichen 
Verhältnissen, in der Schule und in vornehmen Kreisen 
der scharfe Ton scholastischer Dialektik herrschte. 
Dies 
abstracte 
Element 
erforderte 
und 
erhielt 
dann 
aber 
sein Gegengewicht durch die Natürlichkeit der Sitte 
durch die YVänne und Frische des Gefühls 7 Welche 
und 
sich 
im Volke und bei den höheren Ständen, in religiöser Be- 
ziehung wie in (ler Freude des Genusses geltend machte. 
Das Leben war noch keinesweges milde und geebnet. Die 
ritterliche Sitte musste manche Ilärten gestatten und war 
jedenfalls ausser Stande, die rohen Gewohnheiten, Welche 
seit Jahrhunderten bestanden, zu vertilgen, und die Aus- 
brüche der Leidenschaft und Begierde zu bändigen. Selbst 
in der höchsten Sphäre, an den Höfen der Könige, unter 
Staatsmänner-n und Kirchenfiirsten, geht es noch oft her 
wie in den Kreisen roherer Stände oder halbgebildeter Ju- 
gend. Aus tuibetlachteil oder übermülhigen WVorten, aus 
überschwänglichen Aeusserungen des Gefühls entstehen 
Missverständnisse und Unschicklichkeiten, die sofort von 
der andern Seite in gleicher VVeise erwiedert werden, und 
bei dem allseitigen lllangel an Selbstbeherrschung und 
Klarheit schnell zu aufgeregten Scenen, zum blutigen Streite 
oder auch zu 'l'hränen und gewaltsamen AUSbPÜCIIQII Wär- 
meren Gefühls führen. 
Allein (iiese jugendlichen Schwächen wurden durch die 
Vorzüge der Jugend aufgewogen. Die XVelt war mehr 
als je begeisterungsfähig und von grossen Ideen bewegt; 
die klcinlichen Rücksichten des bürgerlichen Lebens , die
        

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