Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-955549
Pfeilerbildung. 
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bildet, aber vorn durch ein Leistchen (fillet) verstärkt sind, 
wodurch sie sich der fast ovalen Gestalt jener (liagoxialen 
Säulen in Beverley einigermaassen nähern. Man bezweckte 
dadurch, theils sie eleganter zu machen, theils das verticale 
Element wenigstens an dieser Stelle zu betonen. lndeSSßll 
schwankte man über die Art der Anwendung; zuweilen 
nämlich ist das beistehen, wie dies im Kreuzschiffe desselben 
Münsters zu Beverley und an den eben erwähnten Pfeilern 
der Kathedrale von Lincoln vorkommt, an allen Säulen, 
meistens aber nur an der einen Hälfte derselben, aber bald 
an den in der Richtung der Axen, bald an den diagonal ge- 
stellten angebracht, so dass man offenbar nicht daran dachte, 
die Function dieser verschiedenen Schäfte oder ihr Verhältniss 
zu den Archivolten auszudrücken, sondern nur eine Ab- 
wechselung in die Monotonie ihrer VViederholung zu brin- 
gen. Ausserdem kommen dann noch manche andere Pfei- 
lerformen vor; in der um 1250 entstandenen Kirche St. 
Saviour in London (Southwark) sind die diagonalen 
Säulen durch flache Aushöhlungen ersetzt, welche die senk- 
recht gestellten Säulen verbinden, in anderen Fällen zeigt 
der Pfeiler, wie in der Templerkirche in London, bloss die 
Gestalt von vier verschmolzenen Rundstänlmen. 
Auch die Kapitäle unterscheiden sich von denen des 
Continents. Sie haben durchweg Kelchforrn, aber nicht 
die des korintlmischen Kapitäls, sondern eine niedrigere, mit 
schlankem Halse und kecker Ausladung des oberen Theils. 
Meistens ist der Hals nackt und die Ausladung (lurch meh- 
rere tellerförmig vorspringende und als Rundstäbe prolilirte 
Ringe gebildet. Wenn sie Blattwerk haben, so besteht 
dies nicht , wie in den frühgothischen Bauten des Conti- 
nents, aus kräftigen, knospenförmigen, in zwei Reihen 
hinter einander gestellten und alternirenden Blättern, son- 
dern aus dünnen, den Hals umgebenden Stengeln, von 
18 m
        

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