Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-955514
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Der 
frühenglische 
Styl. 
Darauf folgt ein zweites, die ganze Fläche bis zur Gewölb- 
höhe des Mittelschiffes füllendes Stockwerk, das in der 
Mitte drei schlanke Lancetfenster, an den Strebepfeilern 
herrliche, in zwei Reihen gestellte Statuen, an den dazwi- 
schen gelegenen Theilen hohe, mit Maasswerk verzierte 
Blendareailen hat. Die Seitenschiffe sind oben wieder recht- 
winkelig bekrönt, während das Mittelschiff mit einer reich- 
belebten, freilich unvollendeten Giebelarchitektur schliesst, 
und das einzige noch ausgeführte Stockwerk der Thürme 
etwas verjüngt und ziemlich luftig gehalten, höher hinauf- 
wäehst. Es ist in der That die schönste Facade in Eng- 
land, aber sie steht dennoch den schöneren des Continents 
nach. Auch hier ist das einzige Portal, obgleich etwas 
schlanker und tiefer als sonst, weit entfernt von der Be- 
deutsamkeit, die diesem Theile gebührt. Auch hier wird 
seine Wirkung durch die hohen Lancetfenster über ihm 
geschwächt. Auch hier fehlt die Rose und überhaupt das 
concentrirende Element; die gewaltige Breite und die Zu- 
sammenstelhmg von fünf Abtheilungen hindern auch hier 
ein kräftiges Aufstreben. Der Einfluss der französischen 
Kunst ist nicht wohl zu bezweifeln, aber die continentalen 
Vorbilder sind sogleich in" charakteristisch brittischer Weise 
umgestaltet. Alles ist hier wohlgeordnet, verständig, ge- 
schmackvoll; der Architekt hat es erkannt, dass den hei- 
mischen Werken der Ausdruck des Kräftigen fehle, und 
sich bemüht, ihn zu erlangen. Aber die Lebensfrische, den 
Hauch zeugender Begeisterung hat er seiner Conception 
nicht zu geben vermocht; sie ist fast schon allzu regel- 
mässig und systematisch, wir sind befriedigt, aber nicht 
wie vor anderen Bauwerken erwärmt. 
S0 weit die Charakteristik des Aeusseren dieser Kir- 
chen. lm Inneren zeigt sich die Eigenthümlichkeit des 
Styls in etwas günstigerer Weise. Die Details sind mit
        

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