Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952885
Veränderte 
Stellung 
der 
Hierarchie. 
Hildebrandinischen Systems nicht bewaln-en, eine unbe- 
dingte, auch die weltlichen Gebiete umfassende Herrschaft 
nicht mehr in Anspruch nehmen. Sie musste theilen, 
konnte der Lehre von zwei auf Erden waltenden Schwer- 
tern' nicht anhaltend widersprechen. Auch die Fürsten 
Waren besser berathen, wussten die Consequenzen ihrer 
von Gottes Gnaden stammenden Gewalt besser zu ziehen, 
hatten die Völker oft auf ihrer Seite. Selbst der heilige 
Ludwig unterwarf die über ihn verhängte Excommunication 
dem Spruche seiner Richter, und einzelne Städte hielten 
sich berechtigt, päpstlichen Aussprüchen Anerkennung und 
Folgeleistung zu versagen  Der Kampf weltlicher und 
geistlicher Herrschaft währte daher noch fort, entbrannte 
heftiger wie je, aber er bewegte sich in festen Bahnen, 
vermochte nicht mehr die Gemüther zu verwirren. Es 
handelte sich nicht mehr um die Allgewalt der einen oder 
der andern Macht, sondern um die Gränzen beider; man 
stritt nicht mehr über die allgemeinsten Begriffe, sondern 
über bestimmte Rechte; man stützte sich auf Urkunden und 
Präcedentien. Und ebenso verhielt es sich in staatsrecht- 
licher Beziehung. Das Einzelne war noch vielfach dunkel 
und ungewiss, aber die allgemeinen Begriffe des Lehns- 
staates, der städtischen Freiheiten, der königlichen Gewalt 
standen fest, man hatte Analogien und urkundliche Ent- 
scheidungsquellen. Alle Verhältnisse begannen sich zu 
ordnen. Ueberall war man aus der Sphäre des Unbe- 
dingten und Theoretischen auf den festen Boden des Wirk- 
lichen mld Ausführbaren gelangt. 
Bei allem diesem war denn die Scholastik höchst 
wichtig. Die Uebung im Distinguiren, im Umgränzen und 
Feststellen von Begriffen, welche sie an schwierigen Glau- 
Bd. I, Kap. 16, 
und sonst häufig. 
m] Zürich (Job. v. Müller, Schw. G. 
Parma (v. Raumefs Hohenstaufen III, 341) 

        

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