Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-955462
Portale. 
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chen bilden Ausnahmen, und keine der anderen Kathedralen 
erreicht die Höhe von Salisbury; die von Wells undmeh- 
rere andere spätere haben sogar nur eine Höhe von 67 
Fuss. Aber nicht bloss das Maass, sondern auch die Be- 
handlung der Formen giebt der verticalen Richtung hier 
eine untergeordnete Bedeutung. Die Strebepfeiler sind 
schwächer als auf dem Contiilent, vielfach aber nur mit 
einfachen Schrägen abgestuft, ohne oder doch nur mit 
wenig bedeutenden Fialen, steigen selten weit über das 
Dach der Seitenschiffe hinaus; die Strebebögen, wenn sie 
überhaupt vorkommen, sind unscheinbar tmd unverziert. 
Das verticale Element ist daher nicht so mächtig, die Sei- 
tenschitfe des langen Gebäudes sind nicht durch so viele 
und kräftige Schatten gebrochen, als bei den contineiltalen 
Bauten; die langen Reihen dicht gestellter Lancetbögen 
geben das Gefühl steter Wiederholung und ermüdender 
Ausdehnung. 
An den Facaderl vermissen wir zunächst die kräftigen 
und bedeutungsvollen Portale der continentalen Münster. 
Sie sind hier niedrig, wenig vertieft, an ihren Gewänden 
nur mit einigen dünnen Ilalbsäulen besetzt, zwar durch 
einen Mittelpfeiler in zwei Oelfnungen getheilt, aber statt 
des geraden Deckbalkens und des hohen, für grosses Bild- 
Werk geeigneten Bogenfeldes durch zwei kleinere offene 
Bögen bedeckt, so dass unter der mager protilirten Archi- 
volte nur ein kleiner, von divergirenden Curven begränzter, 
und durch eine Rose oder einen Vierpass genügend ge- 
füllter Raum übrig bleibt. Diese Anordnung ist an sich 
anmulhig und zierlich und als Eingang zu einem kleineren 
Gebäude, etwa einem Kapitelsaale, ganz befriedigend. An 
der Facade einer mächtigen Kirche aber erscheint sie klein- 
lich und gedrückt, zumal wenn nach der in England herr- 
schenden Sitte darüber eine Gruppe von sehr viel höheren
        

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