Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-955240
Die 
Kathedrale 
VOll 
Canterbury. 
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Wähnung werth, dass dieser die Stelle des älteren Rund- 
bogens eingenommen. Bei der Genauigkeit seiner Be- 
Schreibung, der Sorgfalt, womit er einzelne Unregelmäs- 
Sigkeiten der Anlage erwähnt und entschuldigt, und der 
lebendigen Anschauung, welche seine Worte gewähren, 
müssen wir ihn, wenn er nicht selbst bei dem Bau thätig 
war ü), wenigstens für einen Freund der Kunst halten, 
der mit den Ansichten der Meister nicht unbekannt ge- 
blieben. Wir entnehmen daher auch hieraus, dass man in 
der That diese Bogenform nur als ein Mittel der Con- 
struction, nicht als eine Zierde betrachtete, und können 
uns um so mehr die Erscheinung erklären, dass sie zuerst 
nur an den minder auffallenden, tragenden Theilen ange- 
wendet wurde. 
Der Bau des Wilhelm von Sens ist noch erhalten, und 
zeigt eine genaue Uebereinstimmung mit der Kathedrale 
von Sens; die Doppelsäulen, die dort angewendet waren, 
die Verhältnisse der Säulenstämme und korinthisirenden 
Kapitäle, die Basen sind auch in dem englischen Bau bei- 
behalten. Der Chorschluss ist hier rund, während die 
meisten um diese Zeit in England gebauten Kirchen schon 
geraden Schluss erhielten wg); er hat zwar eine eigen- 
1') Die bescheidene Erwähnung des nicht genannten Mönchs, des- 
sen sich Wilhelm von Sens bediente, um den Bau von seinem Bette 
aus zu leiten, die Hindeutung auf den Neid, mit welchem diese Aus- 
zeichnung des jüngeren Mannes betrachtet wurde, könnte auf die Ver- 
muzhuxig führen, dass dieser Mönch kein anderer als Gervasius selbst 
gewesen 
 Eine Andeutung des Gervasius lässt vermuthen, dass der 
runde Chorschluss Widerstand fand. Der ältere Bau hatte ihn zwar 
ebenfalls gehabt, allein er war kürzer gewesen. Zufolge der Beschrei- 
bung hatte der Chor auf jeder Seite neun Pfeiler und dann die sechs 
der Rundung, während er jetzt nach der Weise, wie Gervasius rechnet, 
zwölf Pfeiler ohne jene sechs enthält. Da man nun über die Funda- 
mente hinausging, war man auch nicht an dieselben gebunden. Meister
        

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