Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952858
Historische 
Einleitung. 
dadurch 
den 
Muth 
und 
die 
Ausdauer 
auch 
das 
Schwerstß 
zu Wagen. Diesem geistigen Streben kamen denn auch, 
nach dem in der Weltgeschichte stets erkennbaren Walten 
der Vorsehung, die äusseren Umstände begünstigend ent- 
gegen und gaben Erfolge, die zu neuen Schritten ermu- 
thigten. 
Obgleich der Grund dieser unxgestaltenden Thätigkeit 
ein einiger War, äusserte sie sich doch in zwei verschie- 
denen Richtungen und Formen, in der des abstracten, kalten 
und reflectirenden Verstandes und in der des überschwäng- 
lichen Gefühls. Allerdings sind bei allen concreten Er- 
scheinungen beide Kräfte wirksam, aber gewöhnlich so, 
dass die eine oder die andere überwiegt und den Lebens- 
äusserungen ihren Charakter giebt. Hier (lagegen finden 
wir beide gleich thätig und in einzelnen Erscheinungen das 
Gefühl, in anderen den abstractesten Verstand vorwaltend, 
oft beide zugleich in äusserster Schärfe ausgeprägt. Of- 
fenbar ist dies die Wirkung des grossen Gegensatzes der 
Tradition gegen die Naturkraft der Völker, der sich nun 
in veränderter, minder schrolfer Gestalt zeigte. Die Tra- 
dition trat nicht mehr als unerörtertes Gesetz auf, sondern 
liess sich in verständigen Argumenten vernehmen, das Na- 
turelement entwickelte sich zu feineren Gefühlen. Die ver- 
ständige Thätigkeit zeigte sich am reinsten in der schola- 
stischen Wissenschaft, und wirkte hauptsächlich auf die 
Umgestaltung der kirchlichen und politischen Verhältnisse 
ein , das Gefühlsleben bildete das Ritterthum und gab dem 
Volksleben in allen Beziehungen eine veränderte Gestalt. 
Die Keime beider liegen allerdings schon in der vorigen 
Epoche, ihre Blüthe und ihre Einwirkung auf das Gesammt- 
leben der Zeit gehört aber der gegenwärtigen an. 
Betrachten wir zunächst die kirchlichen Verhältnisse, 
so war schon die Entstehung der scholastischen WVissen-
        

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