Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-955088
Spätnormannische 
Bauten. 
229 
In Frankreich und selbst in Deutschland entstanden die 
ersten Abweichungen von den romanischen Formen durch 
das Streben nach vollständiger und sicherer Ueberwölbung 
und nach geräumigen, höheren und schlankeren Verhält- 
nissen der Kirchen. In England finden wir keine Spur 
dieser Bedürfnisse. Die Wölbung, namentlich das Kreuz- 
gewölbe, wurde allerdings angewendet, aber nur bei klei- 
neren und niedrigeren Räumen, in Seitenschiffen, Chören, 
Krypten, oder in befestigten Gängen der Schlösser. Für 
das Oberschiff' der Kirche behielt man dagegen noch immer 
die Holzdecke bei; wir wissen kein einziges sicheres Bei- 
spiel der Ueberwölbung vor der Einführung des gothischen 
Styls  ja wir finden die Holzdecke hier auch noch 
später häufiger, als auf dem Continente; es scheint, dass 
die seemännische Gewohnheit hier wie in Holland eine 
Neigung für den Gebrauch des Holzes gab. 
Allerdings bemerken wir indessen bald nach dem Schlusse 
der vorigen Epoche einige Neuerungen. Man fühlte das 
des "frühenglischen" (early english] zu bezeichnen fortfährt, ist durch 
die nationale Eigcnthümlichkeit des Styls und dadurch gerechtfertigt, 
dass das Entstehen dieses Styls in der That mit der Verschmelzung des 
sächsischen und normannischen Stammes, und daher mit dem Entstehen 
der englischen Nation gleichzeitig ist. Um den Schein einer An- 
maassung zu vermeiden und die anderen Nationen der eigenen gleichzu- 
stellen, haben einige englische Schriftsteller angefangen, den frühgothi- 
sehen Styl überall nach den Nationen, also als "frühdeutschen, frühfran- 
zösischen" (early german, early english) zu bezeichnen, was indessen 
keine Nachahmung verdient, da der gothische Styl im Allgemeinen 
mehr einen kosmopolitischen, als einen nationalen Charakter hat, und 
das nationale Element dieser schon früher bestehenden Völker sich 
schon im romanischen Style mit mindestens gleicher Stärke ausgespro- 
chen hatte. 
r) Der Stelle des Giraldus Cambrensis, nach welcher die Ueber- 
Wölbung der Kathedrale von Lincoln um 1143 erfolgt sein soll, und 
der Wahrscheinlichkeit, dass sie bloss auf die Seitenschiffe zu beziehen 
sei, habe ich schon Bd. IV, Abth. 2, S. 393 gedacht.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.