Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-955036
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Belgien. 
ganze Gebäude giebt uns wieder ein Beispiel des eigenthüm- 
lichen Erfindungsgeistes, der sich überall in den Cister- 
cienserbauten zeigt. Während hier die Anwendung von 
Strebepfeilern und Strebebögen auf einen französischen Ein- 
fluss deutet, der bei den Verhältnissen dieses Ordens sehr 
erklärbar ist, geben andere Bauten den Beweis langer Bei- 
haltung romanischer Formen. S0 der Chor der Kirche St. 
Leonhard in Leau (Leeuw) in Südbrabant an der Gränze 
der Grafschaft Limburg, der im Jahre 1237 begonnen wurde. 
Er hat nämlich wie die Kirche von Audenaerde, den Poly- 
gonschluss mit Umgang, aber ohne Kapellen und Strebe- 
bögen, Rundsäulen, Maasswerkfenster und überhaupt einzelne 
völlig gothische Formen, dabei aber unter dem Dache des 
Umgangs noch eine Zwerggallerie nach rheinischer WVeise, 
deren Säulchen hier jedoch Spitzbögen tragen. 
Wir sehen also in diesen Gegenden einen Uebergangs- 
styl, der zum Theil durch die Mischung deutscher und 
französischer Formen entsteht, aber doch auch manche 
Eigenthiimlichkeiten ausbildet. Dahin gehört zunächst die 
aus inneren Spitzbögen und einem umschliessenden Rund- 
bogen zusammengesetzte Fensterform, dahin besonders die 
Neigung für die einfache Rnndsäule und zwar schon frühe 
mit runder Basis und achteckigem Kapitäl; dahin endlich 
die Annahme des Umgangs, aber ohne Kapellenkranz. 
Diese Eigenthümlichkeiten sind um so auffallender, weil 
sie sich weder aus der Anhänglichkeit an einen älteren 
einheimischen Styl, noch aus irgend einem architektonischen 
Princip erklären lassen. Vielleicht sind sie zum Theil der 
noch dunkelen Regung des malerischen 'l'riebes zuzuschrei- 
das Kaiserthum Balduins von Flandern vermittelte byzantinische Remi- 
niscenz zum Grunde liege, da der Cistercienserorden kein geeigneter 
Vermittler mit dem Orient war. Das zufällige Zusammentreffen erklärt 
sich vielmehr durch die Vorliebe für kreisförmige Oeifnungen, die wir 
in den Bauten dieses Ordens überall finden.
        

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