Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-954952
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Belgien. 
bedeutender ausgebildeten Triforium. Während dort also 
der antike Horizontalgedailke vorherrscht, ist hier schon 
ein schlankes Aufsteigen beabsichtigt. Endlich ist die An- 
lage des ganzen Kreuzschiffes auf Rippen und Kreuzge- 
wölbe berechnet, während dort eine flache Decke War. 
Dagegen ist allerdings die Ausführung der Details in den 
Kreuzconchen nicht so elegant und vollendet, die Basis hat 
auch hier das Eckblatt, aber die Kapitäle sind monoton 
und in spröderen Formen, die Arcaden nicht so reich ge- 
gliedert. Dies alles macht die Frage nach dem Verhält- 
nisse des Alters beider Theile sehr zweifelhaft und hat den 
neuesten Geschichtschreiber der Kathedrale sogar bestimmt, 
das Langhaus für jünger zu halten. In der 'l'hat kann 
man dieses nicht wohl früher als in die Mitte des zwölften 
Jahrhunderts setzen; erst um diese Zeit finden wir in 
Deutschland diese reiche Gliederung in coneentrische Rund- 
bögen, welche in Frankreich während der Herrschaft des 
romanischen Styls auch bei übrigens glänzender Ausstat- 
tung nicht vorkommt. Dadurch wird aber das Verhältniss 
des Kreuzschilfes zum Langhause um so ztveifelhafter, da 
die rohere Form der Details, die aufstrebende 'l'endenz 
und die Häufung mehrerer rhythmisch geordneter Stock- 
werke wiederum auf dieselbe Zeit hinweisen und es auf- 
fallen muss, dass man an demselben Gebäude ungefähr 
gleichzeitig zwei sehr verschiedenen Richtungen folgte. 
Vielleicht darf man annehmen, dass das jetzige Langhaus 
kein völlig neuer Bau, sondern nur die Herstellung und 
Aussclnniickung einer älteren, nach der Weise der Abtei- 
kirche zu Soignies und der normannischen Kirchen mit 
Pfeilern und mit der Empore über den SeitenschiHen an- 
gelegten Kirche ist. Dies vorausgesetzt würde sich dann 
die vollendetere Ausführung des Langharlses und zugleich 
die Anbringung des dem romanischen Style sonst fremden
        

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