Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-954870
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Lothringen. 
sonders mächtig und angesehen war. Sie bildet ein Zehneck 
von etwa 30 Fuss Durchmesser und 23 Fuss Höhe, dessen 
Gewölbe in der Mitte durch sechs Pfeiler gestützt wer- 
den tk), mit einem fünfseitig geschlossenen Chorraum. Jede 
Seite der inneren Wand enthält unten zwei vertiefte Area- 
den und oben zwei eben solche Fenster, beide mit frei- 
stehenden Säulen besetzt; zwischen den angränzenden 
Säulen steigen dann als Gewölbträger in allen Ecken sehr 
schlanke, in halber Höhe durch Ringe getheilte Halbsäulen 
auf. Die mittleren Pfeiler sind viereckig, aber theils mit 
fünf, theils mit vier freistehenden, jenen Gcwölbstützen 
ganz entsprechenden Säulen umstellt. Die Fenster sind 
spitzbogig, die Arcaden rund, auch die Bögen, welche die 
sechs mittleren Säulen verbinden, nlu überhöhte Rundbögen. 
Die etwas flach gebildete attische Basis hat das Eckblatt. 
Die Verzierung ist sehr sparsam angebracht, nur die Ka- 
pitäle an den unteren Säulen des Chorraums haben Blatt- 
Werk, alle übrigen sind schlicht, die der Fenster würfel- 
förmig, die anderen schlanke aber nackte Kelche. Da in- 
dessen die kräftig gebildeten Säulenringe und die unge- 
wöhnlich hohen Deckplatten der Kapitäle überaus reich 
gegliedert und mehr als hundert Säulen und Halbsäulen 
in dem nicht sehr grossen Raume angebracht sind, macht 
das Ganze ungeachtet dieser Einfachheit einen überaus 
reichen, aber auch kräftigen und würdigen Eindruck. 
Man kann nicht sagen, dass der Bau dem rheinischen 
d) Diese Mittelpfeiler stehen auf einer Brustmauer, innerhalb 
welcher der Fussboden geöffnet ist. Da aber die darunter gelegenen 
Räume, durch die gewaltigen, hauptsächlich als Substructionen der 
Kapelle dienenden Mauermassen gebildet, zu Vorrathskammern oder 
Gefängnissen, nicht aber etwa für die Theilnahme des Schlossgesindes 
am Gottesdienste eingerichtet waren, so diente diese Oelfnung nur zur 
Beleuchtung jener unteren Räume, und die Kapelle gehört daher nicht 
in die Reihe der s. g. Doppelkapellen.
        

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