Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-954709
Kathedrale 
Poitiers. 
191 
lichen Paares begonnen  schritt dann aber überaus 
langsam fort, so dass die endliche Einweihung des vollen- 
deten Gebäudes erst im Jahre 1379 stattfand. Indessen 
efgiebt sich aus den Feierlichkeiten dieses Aktes selbst, 
dass eine provisorische Weihe lange vorher statt gefunden 
haben muss, und die Kirche längst im Gebrauche gewesen 
War der). Auch lässt der Styl der einzelnen Theile keinen 
Zweifel darüber, dass Chor und Kreuzarme noch im 
zwölften, die imteren Mauern, die Grundlage der Pfeiler 
und die östlichsten Abtheilungen des Schiffes im Anfange 
des dreizehnten Jahrhunderts entstanden und nur bei dem 
Ausbau der oberen Theile desselben längere Pausen ein- 
getreten sind. Die Anlage ist sehr einfach, aber doch sehr 
ungewöhnlich; sie hat nämlich bei geradem Chorschlusse 
zwar die Gestalt eines Kreuzes, aber nicht in gewohnter 
WVeise. Der Irlauptstamm dieses Kreuzes, der also das 
Langhaus und den Chor bildet, besteht nämlich aus drei 
Schiffen von fast gleicher Breite, Welche durch je sieben 
Pfeiler von (lurchweg gleichen und ungefähr auch der 
SchiHbreite gleichen Abständen geschieden sind. Dieser 
ganze Baum zerfällt also in vierundzwanzig ähnliche Ge- 
wölbfelder, und hat, da die auf der fünften Pfeilerstellung 
vom Westen gerechnet angesetzten Kreuzarme nur lmge- 
fahr die Grösse eines Gewölbquadrates haben, kein die 
Bestätigungen 
nicht vorhan- 
4') Inkersley S. G7 und Auber p. 72. Urkundliche 
dieser auf alter Tradition beruhenden Nachricht scheinen 
den zu sein. 
Hi) Auber a. a. O. II, 122. Man brachte allen Schmuck der Al- 
täre und die Reliquien, welche die Kirche bewahrte, einstweilen in 
eine andere Kirche, damit nichts andeute, dass diese Stätte vermöge 
einer vor fast zweihundert Jahren ertheilten Weihe dem Gultus gedient 
habe. Die ausführliche Erzählung zeigt deutlich, dass die Kirche schon 
seit langer Zeit im Gebrauche war, und beweist, dass das Datum jener 
späten Weihe keinesweges einen zuverlässigen Anhaltspunkt für die 
kunstgeschichtliche Bestimmung der Entstehungszeit des Gebäudes giebt.
        

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