Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-954678
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Aquitanien 
Kirchen in den Diöcesen von Bordeaux, Saintes und An- 
gers unbedingt verneinen  Die Bewohner dieser Pro- 
vinzen, romanisirt wie die der südlichen Gegenden, und 
daher in Sprache und Poesie sich an diese anschliessend, 
hatten dagegen die Reinheit des keltischen Stammes in viel 
höherem Grade erhalten, imd widerstrebten daher mit der 
diesem Stamme eigenen Zähigkeit dem germanischen Ele- 
mente. Wir sahcn oben, dass dieses unter der Herrschaft 
der Karolinger fast keinen Einfluss auf sie geübt hatte, dass 
sie namentlich die Traditionen römischer Architektur noch 
im zehnten und elften Jahrhundert bewahrten. Die gei- 
stige Bewegung des elften Jahrhunderts hatte diesen sta- 
tionären Zustand zwar gebrochen; neue Formen waren in 
Aufnahme gekommen, der Spitzbogen, den wir in deco- 
rativem Sinne angewendet schon um 1100 in Moissac 
fanden, das Kuppelsystem, welches iion St. Front in Pe- 
rigueux ausging, endlich die phantastische Ornamentation 
der Faoaden, von der wir Beispiele gesehen haben. Aber 
diese Neuerungen schlossen sich dem bisherigen Systeme 
an, vermischten sich mit den romanischen Traditionen, er- 
zeugten nicht das Bedürfniss nach weiteren Fortschritten 
und wurden mit derselben Beharrlichkeit festgehalten, wie 
früher die unmittelbare römische Ueberlieferung. Noch die 
Facade von Notre-Dame la grande in Poitiers, die ich 
des Zusammenhanges wegen in der vorigen Epoche er- 
wähnt habe, gehört gewiss erst der zweiten Hälfte des 
zwölften Jahrhunderts an, und eine Reihe kleinerer Kirchen 
zeigt, dass man noch im dreizehnten Jahrhundert an vielen 
Stellen ausschliesslich romanische Formen, nur in milderer 
und mehr harmonischer Weise, anwendete M). 
e) Bull. monum. VIII, 309, 311; x, 56a; vn, 522. 
w) Beispiele solcher spätromanisehen Kirchen sind die von Char- 
lieu (Loire), von St. Pierre in Chauvigny (Poitou) und endlich von 
Bätaud und Riaux im Sointonge. Bull. monum. VII, 582; IX, 517;
        

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