Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-954649
Genf 
und 
Lausanne. 
185 
streng stylisirte, reiche Blattwerk deutet unzweifelhaft auf 
spätromanische Zeit hin. Die hohen, bald als Welle bald 
als Wulst gestalteten Deckplatten sind in ähnlicher Weise 
mit Palmetten oder Rankengewinden ausgestattet. Selbst 
die in breiter Zuspitzung hoch aufsteigenden Scheidbögen 
sind nicht unverziert geblieben, sondern haben wechselnden 
Schmuck von schachbrettartigen Viertelstäben, Klötzchen 
oder Perlen. Die Oberlichter bestehen aus Gruppen von- 
drei Fenstern, vor denen eine freie Arcatur von fünf nach 
dem Scheitel des Schildbogens aufsteigenden Spitzbögen 
angebracht ist. Der Chor ist mit fünf Seiten des Zehnecks 
geschlossen, ohne Umgang, im Aeusseren mit dem Rund- 
bogenfriese, im Inneren unter den spitzbogigen Fenstern 
mit einer rundbogigen Arcatur auf kannellirten Pilastern 
ausgestattet. Auch die Arcaden des 'l'riforiu1ns und die 
Fenster der Seiten und Quersehiffe sind rundbogig, aber 
ebenfalls mit spätromanischer Ornamentatiou, die letzten 
mit Säulen und kräftigen Archivolten reich verziert. Wir 
finden also auch hier, ungeachtet die ganze Anlage schon 
dem frühgothischen Style angehört, noch den plastischen 
Reichthum, aber auch die rohe Behandlung der Figuren wie 
in den früheren schweizerischen Bauten. Die Facade ist 
im vorigen Jahrhundert ganz umgestaltet, ein Thurm im 
Jahre 1510 erneuert, einige Kapellen gehören dem vier- 
zehnten und fünfzehnten Jahrhundert an, der Hauptkörper 
der Kirche giebt aber mit seiner frischen und rüstigen 
Haltung im Geiste des frühgothischen Styls einen sehr 
günstigen Eindruck. 
Genf gehörte zur Diöcese von Vienne in der Provence, 
aber es muss in baulicher Beziehung andere Verbindungen 
gehabt haben, Welche die Ilinneigung zum gothischen Style 
beförderten. Vielleicht waren diese durch Lausanne ver- 
Inittelt, 
welches 
unter 
dem 
Erzbischof von 
Besangzon 
stand,
        

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