Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-954520
Eigenthümlichkeiten 
des 
gothischen 
Styls. 
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des Seminars von Bayeux und einige kleinere Kirchen, wie 
die von Langrune und Norrey (Döp. Calvados) und die 
von Moulineaux bei Rouen. 
Die Normandie War jetzt mit dem königlichen Frank- 
reich vereinigt, die Beziehungen zu England wurden durch 
die Gesetzgebung Ludwigs des Heiligen gelöst, dem Ein- 
dringen des in den älteren königlichen Provinzen mit Lei- 
denschaft gepflegten Styls stand kein äusseres lalinderniss 
entgegen. Dennoch zeigt er hier manche fremde Eigen- 
thümlichkeiten. Das Maasswerk und die reichere Gestal- 
tung der Strebepfeiler ülltl Strebebögen fanden hier erst in 
ihrer späteren Entwickelung Eingang. Der Chor erhält 
nur selten den Umgang und ist häuüg, wie in der Ka- 
thedrale von Louviers, geradlinig geschlossen. Die kan- 
tonirte Säule, welche in jenen anderen Provinzen so viel 
Beifall fand, kommt hier fast gar nicht vor, sondern stets 
die einfache Säule mit den Gewölbträgern auf ihrem Ka- 
pitäl, und zwar meist ziemlich gedrungen, wenn auch nicht 
so schwer wie in N. D. von Paris. Das Kapitäl ist ohne 
die nähere Beziehung auf die korinthische Form und ohne 
reichere Entwickelung des lmospenartigen Blattwerks. Im 
Allgemeinen ist der Styl schlanker, weniger mit Elementen 
des antiken Styls gemischt, die horizontalen Linien treten 
nicht so stark hervor, die Neigung zu breiten, vollen For- 
men, Welche den französischen Bauten eigen ist, fällt hier 
nicht auf. Entschiedene Entlehnungen aus dem in England 
sich bildenden Style sind seltener, als man nach der ur- 
Sprünglichexi Stammesverwvandtschaft erwarten sollte, in- 
dessen kommen die schon erwähnten runden Deckplatten 
knngen von Gally Knight in seinem Reisewerke. Uebrigens haben fast 
alle diese Kirchen in den Kriegen des vierzehnten Jahrhunderts Be- 
schädigungen und deshalb spätere Reparaturen erhalten, durch welche 
namentlich der Charakter des Aensseren verändert ist.
        

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