Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-954465
Fäcamp 
und 
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Um diese Zeit wird wahrscheinlich auch der schöne, 
frühgothische Chor an der älteren Abteikirche St. Etienne 
in Caen begonnen, wenn auch erst um die Mitte des 
Jahrhunderts vollendet sein. Er hat einen Kranz von sie- 
ben halbkreisförmigen Kapellen, deren Anlage und Ueber- 
Wölbung sehr an die von St. Remy erinnert, an der Run- 
dung Säulen mit Gewölbstützen auf den Kapitälexi, knos- 
penförmiges Blattwerk, die Basis mit dem Eckblatte, eine 
Gallerie, lancetförmige Arcaden und Fenster, dabei aber 
manche Eigenthümlichkeiten der englischen Gothik, Welche 
entweder aus der gemeinsamen Quelle des älteren n0r1nan- 
nischen Styles auch hier entstanden, oder von England 
hieher eingeführt sein müssen. Schon die Gallerieößnung 
hat eine englische, dem Französischen Style fremde Form, 
indem sie aus einem grossen Rundbogen besteht, an den 
sich die Schenkel der zwei von ihm umschlossenen Spitz- 
bögen anlehnen; indessen mag dies durch die unverkennbar 
beabsichtigte Accomodatioil t") an die im geraden Theile 
des Chores beibehaltenen grossen rundbogigen Gallerie- 
öffnungen des alten Gebäudes entstanden sein. Unzweifel- 
haft aber zeigt sich englischer Einfluss daran, dass die 
Kapitäle im Oberschiffe und in den Seitenkapellen unter 
einer und zwar kreisförmigen Deckplatte zusammengefasst 
sind, auf Welcher die sämmtlichen Gewölbrippexi ruhen, da 
1') Gally Knight, der diesen Chorbau (nach dem Abbe de la Rue] 
erst von 1316 bis 1354 ausgeführt glaubt, will die frühgothische Form 
desselben überhaupt aus der Rücksicht auf die älteren Theile der Kirche 
erklären. So weit ist indessen die Accomodation niemals gegangen, 
und die Kennzeichen der Frühzeit des dreizehnten Jahrhunderts sind 
hier zu unzweifelhaft, als dass die im Jahre 1316 bis 1354 (d. h. 
Während der Lebenszeit eines bestimmten Abtes) vermerkten Arbeiten 
am Chore mehr als geringfügige Reparaturen gewesen sein könnten. 
Mit dieser Ansicht stimmen auch Caumont im Bull. monum. VIII, p. 
157, Jolimont in der Description des monumens de Caen, und Osten 
in der Wiener Bauzeitung a. a. O. überein.
        

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