Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-954307
Stellung 
der 
Künstler. 
151 
sie die Pracht desselben verschmäheten, beförderten seine 
Verbreitung, indem ihre einfachen Bauten nicht bloss den 
Spitzbogen, sondern überhaupt die constructiven Tendenzen 
des neuen Styls frühzeitig in Gegenden brachten, wo er 
noch unbekannt war. Aber wohl bewirkte er eine Eman- 
cipation der Kunst als solcher, verlieh ihr Selbstbewusst- 
sein uml eine bisher unbekannte Freiheit des Handelns. 
Der romanische Styl war gewissermaassen ein Naturpro- 
duct, von localen Vorbildern, klimatischen Bedingungen 
und individuellen Zufälligkeiten abhängig gewesen. Jetzt 
dagegen entstand ein Styl, der auf der herrschenden Sinnes- 
weise des Zeitalters, zugleich aber auch auf statischen und 
ästhetischen Principien beruhete und die Ueberzeugung 
seiner allgemeinen Anwendbarkeit gewährte. Die Kunst 
war als solche erstanden, sie war nicht mehr an die Scholle 
gebunden, sie wurde die Aufgabe eines eigenen Standes, 
dessen Jünger nach allen Seiten hin forschten und strebten, 
ihr Gefühl übten und kräftigten, nach den geeigneten Mitteln 
suchten. Zu diesen Mitteln gehörte vorzugsweise die besser 
ausgebildete Zeichnung. Ohne Zweifel wird man auch in 
der romanischen Epoche mehr oder weniger Plane und 
Details gezeichnet haben; der Plan von St. Gallen aus dem 
neunten Jahrhundert giebt den frühesten Beweis. Aber 
sehr weit war man darin noch nicht gekommen, jedenfalls 
diente die Zeichnung nur den gelehrten Leitern des Baues, 
nicht den Werkleuten. Jetzt ging sie von diesen aus, 
wurde das Mittel ihrer Belehrung und der Ausführung 
selbst, verband Meister und Gesellen zur gemeinsamen 
Arbeit. Grosse Planzeichnungen aus dieser Zeit sind zwar 
äusserst selten de), die in den Bauhütten von Strassburg 
i") Die einzige Ausnahme bildet die Zeichnung, welche in der 
Bibliothek von Rheims und zwar als Palimpsest gefunden ist, indem 
man sie zu einem etwa 1270 geschriebenen Necrologium benutzt hatte,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.