Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-954283
Princip 
d e r 
Ornamentation. 
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sei. Deshalb wurden denn auch die Mauerfiächen, obgleich 
sie in dem Systeme des gothischeil Styls nur eine passive 
Bedeutung hatten, decorativ belebt. In der romanischen 
Architektur, namentlich in Frankreich, hatte man am Fuss 
der vvälldß im Inneren häufig eine Arcatur angebracht, 
welche stark vertieft zur Verringerung der Mauermasse 
oder zur Unterstützung der Fensterbrüstung wirkliche Dienste 
leistete. Im gothischen Style behielt man sie mit flacherer 
Ausarbeitung aber mit reicherem Schmuck bei, obgleich 
sie bei der geringen Stärke der Mauer entbehrlich war. 
Sie hatte daher hier nur den ästhetischen Zweck, das 
Princip des Aufsteigens und WVölbens schon von Boden 
auf und gleichsam im Keime darzustellen. Aus diesem 
Principe entwickelte sich denn auch einerseits der grösste 
'l'heil des Fag-adenschnlueks, andererseits aber als feinste 
Aeusserung des Gefühls die Profilirung, in welcher anfangs 
der Rundstab, die Aeusserung kräftiger Bogenschtlvingung, 
später die weiche, birnförmige Linie, als der Ausdruck 
organischen Lebens in verschiedenartiger VVeise vorherrschte. 
Bei der allgemeinen 'l'heilnahme, Welche der neue Styl 
erweckte, war die Stellung der Künstler in dieser Gegend 
natürlich eine andere geworden wie bisher. Sie gehörten 
jetzt, wie wir wissen, meistens dem Laienstande an. Zwar 
kam es noch immer vor, dass Kloster-bauten ganz von Geist- 
lichen und Mönchen geleitet und ausgeführt wurden. In der 
Abtei N. D. des Dunes in Flandern vermochten sechs aufein- 
anderfolgende Aebte von 1221 bis 1'263 den Bau selbst zu 
führen und ihn, obgleich sie zuweilen 400 Personen brauch- 
ten, bloss mit Hülfe ihrer Mönche, Laienbrüder und Dienst- 
leute zu vollenden  und an der Abtei von Royaumont, 
deren Plan Wahrscheinlich von einem der Meister im Dienste 
bei Fälibien, 
Paris 1687, 
Sanderus Flandria illustr. l. i. c. "l, 
1a vie des plus cälebres architectes. 
 Ant. 
historique de 
Recueil 
p. 213.
        

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