Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-954141
Die 
Sainte-Chapelle 
Zll 
Paris. 
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möge der zwar niedrigen, aber zwölf Fuss breiten Fen- 
ster, die sich zwischen den Strebepfeilern öffnen und deren 
Licht durch die monolithen Säulen nur Wenig gehemmt ist, 
eine sehr eigeuthünlliche und malerische Beleuchtung. WVäh- 
rend hier ein ernster und schlichter Charakter vorherrscht, 
entwickelt die Oberkirche die leichteste und reichste An- 
muth. Sie ist einschiffig und unter dem Schlussstein 60 
Fuss hoch , also etwa doppelt so hoch als breit. Die 
Wände sind leichter gehalten, als in irgend einem früheren 
Gebäude, sie bestehen ausschliesslieh aus den Bündelpfei- 
lern von nur vier Fuss Breite, die, aus schlanken Säul- 
ehen zusammengesetzt, 42 Fuss hoch aufsteigen, und zwi- 
schen denen über einer blinden Arcatur von etwa 10 Fuss 
Höhe die gewaltigen, mit dem reichsten Maasswerk ge- 
schmückten Fenster (13 Fuss Breite bei fast 45 Fuss 
Höhe] den ganzen Raum einnehmen. Hier ist also der 
Gedanke, das Gebäude nur aus dem Gerüst schlanker, 
senkrechter Stützen zu bilden, im vollsten Maasse und in 
edelster und einfachster Weise ausgeführt. Vielleicht würde 
man das Ganze schon zu luftig, das Verhältniss der schlan- 
ken Wandpfeiler zu den breiten Gluswämlen der Fenster 
schon übertrieben linden, wenn dieser Mangel nicht durch 
die geschickte und zweckmässige Anwendung der Farbe 
gehoben Würde. Das Licht der Fenster ist durch den 
dunkelen Glanz ihrer Glasgemälde gemildert, der Stein durch 
eine vollständige und geregelte Bemalung der einzelnen Säul- 
chen, Kehlen und Gewölbkappeil, lmd durch Vergoldung 
der Kapitale und der Rippen erhellt und belebt, das Ele- 
ment der Farbe verbindet also die durchsichtigen und un- 
durchsichtigen Thcile zu einem harmonischen Ganzen, und 
giebt doch wieder jedem Theile sein eigenthümliches Recht, 
indem sie die architektonische Gliederung nicht durch 
gleichmässige Färbung verhüllt, sondern durch die Ver-
        

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